Online
von LyFa am 16.04.2012
Zusammenfassend:
Also hab es jetzt erst gelesen, mir gefällts. Da sie nachts schon bei der Polizei war und die nicht weit entfernt ist, warum den Ausdruck mailen? So hatte sie gleich eine Reaktion und irgendwie brauchte sie Ein "Gegenüber". Psychologisch gesehen ist das verständlich, man stelle sich vor, stundenlange Suche, Anspannung...und dann einfach nur auf den Senden Knopf drücken? Nein. So wie es hier geschrieben wurde ist das für mich wesentlich glaubhafter. Sie musste es einfach selbst hinbringen. Bitte nicht ändern.
Ich kenne auch ne ganze Menge Leute, die ihren Kaffee in der Mikrowelle warm machen, mir schmeckts zwar nicht, denen aber schon. Das nach rechts und links schauen, das feste Umklammern der Geldbörse...ich finde das bringt ihre Anspannung gut rüber.Wenn sie voll panischer Angst gewesen wäre, (was sie nicht war), wäre sie trotz Hunger daheim geblieben...Im Vergleich zu anderen WB Beiträgen sind hier für mich 5 Sterne drin
authentisch
von Stefanie Maucher am 17.02.2012
Allgemeines/Grundthese:
Hungrige Studentin in gefährlicher Plattenbau-Wohnlage muss nachts noch Mal zum Geldautomaten und wird dort Zeugin an einem Mord. Anschliessend ermittelt sie via Facebook den Mörder.
Aufbereitung des Themas:
Die Autorin bereitet (wie ich im Nachwort gelesen habe) ein persönliches Ereignis auf, eine Begegnung mit pöbelnden Jugendlichen zu nächtlicher Zeit, vor besagter Bank. Finde ich ok. Selbst in meinem Ferropolis gibt es quasi autobiographische Anteile. Ich hatte wirklich die beschriebenen Muttergefühle, die ich in der Geschichte schilderte, das Kind von dem ich erzähle ist meins, nur stieg ich anschliessend nicht auf ein Stahlgerüst und fasste einen Mörder, sondern ich ging zur Polizei und habe Anzeige erstattet. Inzwischen wurde die Identität des Täters auch ermittelt, dem Umstand sei Dank, daß er zu dumm war anonym zu surfen. ...In gewisser Weise lässt doch jeder seine eigenen Erfahrungen in die Schreibe einfliessen. Ich finde die Szenerie, die in "Online" geschildert wird, sowie den Tathergang sehr glaubhaft. Ebenso die Entdeckung des Facebookprofils. Könnte bestimmt ziemlich genau so wirklich passieren. Übringens, weiss ich (von nem Kripobeamten mit dem ich seit meiner Schulzeit befreundet bin), auch die Kripo ermittelt, wenn sie jemanden im Visier hat, sei es wegen Drogenverkäufen o.ä. längst nicht mehr nur offline. Da wird auch gern mal auf Facebook etc. gecheckt, was und wieviel der Verdächtige online preisgibt oder ob er gar seine (künftigen) Wege auf solche Art verrät. :)
Struktur:
Vom Verbrechen bis zur Aufklärung vergehen nur wenige Stunden. Dementsprechend ist die Handlung chronolog, ohne Rückblenden....Zum ersten Mal glaube ich zu verstehen, was hier immer mir "Show don´t tell" gemeint wird. Die Spannung, die zum Beispiel schon auf dem Weg zum Geldautomaten aufkommen soll, baute sich nicht richtig auf. Mir wurde gesagt, dass man da nachts besser nicht mehr unterwegs sein sollte...aber ich konnte nicht sehen, warum. Die düsteren Eindrücke, die nötig gewesen wären kamen nicht auf, statt dessen weiss ich nun, was die Protagonistin zum Frühstück hatte. Was macht sie aber so ängstlich? Hat sie schon schlimme Erfahrungen gesammelt, ist sie ein generell ängstlicher Typ, was ist es, was diese Unsicherheit schon auf dem Weg produziert?
Vielleicht waren es aber auch die Gedankengänge über Geldbeträge und Essen, die den Spannungsaufbau bremsten.... Dann würde ich vielleicht etwas umstrukturieren, die Story bei Sarah zu Hause beginnen lassen, vor dem leeren Kühlschrank, beim umkrempeln der leeren Hosentaschen und sie, wenn der Leser diese die Notwendigkeit des Ganges erkannt hat, erst dann losschicken um Geld zu holen...und den Weg dann voll nutzen, um Spannung aufzubauen und zum Mord zu führen. Sie könnte z.B. ein paar Strassen vor der Bank schon Mal dem streitenden Pärchen begegnen, dessen Gezanke eine unangenehme Stimmung mit sich bringt und das sie hastig hinter sich lässt....
Sprache/Duktus:
Sprachlich habe ich nichts auszusetzen. Ein paar kleine Fehler haben sich eingeschlichen, aber nichts was drastisch störend auffiel. Logisch und nachvollziehbar wird die Handlung geschildert. Manche Beschreibung gefiel mir sogar richtig gut...zum Beispiel ganz am Schluß, die Ausführungen über das soziale Netzwerk/heutzutage kann jeder jeden finden.
Zusammenfassend:
Ich gebe 4 Sterne, weil mir die Authentizität der eigentlich recht simplen Geschichte gefallen hat.... und weil ich meinem Vor-Rezensenten recht geben muss: Kaffee aus der Mikrowelle ist wirklich eine grauenvolle Angelegenheit! War ein netter Quickie! :)
kalter Kaffee
von YuutoNakamura am 17.02.2012
Allgemeines/Grundthese:
Eine Studentin beobachtet einen Mord, findet zufällig das Foto des Täters in einem sozialen Netzwerk
Aufbereitung des Themas:
eEn Kriminalfall, sicher düster, das zu beobachten, wäre ggf. sogar noch eindringlicher in der Ich-Perspektive gewesen, da es hauptsächlich um die Studentin, ihre Beobachtungen und ihre Recherche geht.
Struktur:
kleine Vorgeschichte, die Tat, Polizeibesuch, Recherche - dennoch erstaunlich, dass sie noch einmal zur Polizei geht. Wäre es nicht vernüntiger, die Polizei anzurufen, das Foto zu e-mailen? Gerade, wenn sich ein Verbrecher in der Nachbarschaft herumtreibt. / Ein Punkt noch: Wenn si enur 5 oder 10 Euro abhebt, wird der Auomat nicht lange rattern und Geld zählen (ist ja dann nur eine einzelne Banknote). / Echter Luxus, wenig Geld haben und dann Essen gehen wollen ... und uaahhhhh aufgewärmter Kaffee aus der Mikrowelle - das ist wirklich hart ;-)
Sprache/Duktus:
gut nachvollziehbar, der ein oder andere Flüchtigkeitsfehler wie z.B. McDonald --> McDonalds am Anfang / angefangen Cola --> angefangenen Cola
Zusammenfassend:
Halle, kalter Kaffee, 2 Euro 33, ein Mord, Glück bei der Online-Suche, ein solider Fall. Ansonsten gilt der Rat an, schwanke zwischen 3 und 4*, runde wegen der furchtbaren Vorstellung einer Kaffeetasse in der Mikrowelle auf.
Kommentar von Susanne Krüger am 17.04.2012
Vielen lieben Dank für die Rezension. Ich bin fast ein wenig sprachlos, dass alles so ausnahmlos gut ausgefallen ist. Das freut mich wahnsinnig. :)