Norman Walther - Endless Anaphora
von
Heidi Büttner am
28.02.2012
Handlung:
Andreas Palanti bekommt eine neue Idendität zugewiesen, die ihn aus der menschlichen Verfügungsmasse, den Nobodys, heraushebt, und ihm eine eigene Existenz ermöglicht. Der Handlungsort ist ein zukünftiges Berlin, in dem die Nobodys nichts zu suchen haben. Aber Andreas sucht seinen Bruder Robin, der eben als Nobody sein Glück in der großen Stadt suchen wollte und jetzt spurlos verschwunden ist. Bei der Suche hilft ihm die rätselhaft Nadja, die ebenfalls eine neue Idendität zugewiesen bekommen hat.
Figuren:
Die Figuren sind gut aufgebaut, nicht überzogen, eher vorsichtig gezeichnet, aber glaubhaft und nachvollziehbar.
Sprache/Duktus:
Die Sprache ist flüssig, manchmal hastig, aber gut lesbar.
Struktur:
Der Text ist gegliedert wie ein richtiger Roman, Einführung, Konfliktaufbau, Nebenhandlung, Umbruch, Auflösung.
Zusammenfassend:
Der Stoff und das Thema, die der Autor sich ausgesucht hat, sind es wert, einen richtigen Roman daraus zu machen. Die Frage nach der Aufrechterhaltung der Individualität in einer immer dichter werdenden Zukunft zwischen Konsum und Funktion, das ist ein echt guter Griff! Aber die Geschichte von Andreas Palanti alias Norman Walther ist eben noch kein Roman. Eher eine Romanzusammenfassung. Ich will es an dem Beispiel von Seite 8 verdeutlichen, der Mord an dem Kater Max. Das ist eine notwendige Szene, die kann man nicht streichen, aber man kann sie auch so nicht stehen lassen. Ich halte dem Autor zugute, dass er noch nie im realen Leben versucht hat, eine Katze umzubringen. (Bitte jetzt auch nicht zu Recherchezwecken nachträglich ausprobieren!!!) Eine Katze hat sieben Leben, die wehrt sich wie ein Löwe und würde eher das ganze Haus in Brand setzen, als sich so still und leise im Spülbecken abmurksen zu lassen. Das ist Stoff für drei Seiten! Der Kampf, der Wiederstand, die eigenen Verletzungen, das zerstörte Küchenmobiliar, Brandflecken, Angst, blinde Wut, Hass. Das muss man ausschreiben! Die Details sich vorstellen. Und erzählen. Nicht erklären. Genauso geht es dem ganzen Text. Der will erzählt werden. Und da gibt es viel zu entdecken. Für den Autor und uns als Leser. Das reicht für gut 350 Seiten insgesamt.
Kommentar von Endless Anaphora am 29.02.2012
Hey danke für die erleuchtende Rezension, und als erstes: Du hast recht. Ich habe erst einfach diese Dystopie-Idee gehabt und es hat sich beim Schreiben echt nach und nach ein richtiger Roman-Plot ergeben. Das auszuschreiben ist sicher eine Herausforderung, aber wenn du meinst es lohnt sich, ziehe ich das echt in Betracht :)