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ZeitenSprünge, Kurzgeschichten - Marianne Brugger

Schicksal, Familie ... Vom tyrannischen Vater, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg seine Familie terrorisierte, ist ebenso die Rede wie von der Schwiegertochter, die nach der Bombardierung Stuttgarts Unterschlupf bei der Familie ihres Mannes findet.

Wenn meine Großmutter an langen Winterabenden Episoden aus ihrem Leben erzählte, löste dies bei mir meist nicht die gleiche Behaglichkeit aus wie das prasselnde Feuer im Kohleofen. Oft war dabei von Not, Entbehrung und schlimmen Erlebnissen die Rede. Auch von anderen Zeitzeugen bekam ich solche Geschichten zu hören. Doch trotz aller Schwere sind es im Grunde auch Hoffnungsgeschichten ... Eine Erzählung aus dieser Anthologie wurde in einem Autorenportal zum "Manuskript der Woche" gekürt.

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  • 3.60 Sterne

    Solider Gesamteindruck

    Von graukopf am 12.03.2013

    Handlung:

    Drei Geschichten aus früherer Zeit: Die zweite spielt wohl um 1910, die anderen beiden nach dem 2ten Weltkrieg, Mitte/ Ende der Fünfziger Jahre.

    1: Eine Frau (Hilde) mit Kleinkind, die bei der abweisenden Mutter ihres noch vermissten Ehemannes einzieht.

    2: Ein Mädchen (Thekla) mit vielen Geschwistern, die unter ihrem trinkenden despotischen Vater leidet und versucht ihren sensiblen Bruder Fieder zu schützen.

    3: Ein Mädchen (Sonja) , die gemeinsam mit ihrer Mutter den aus Gefangenschaft heimkehrenden Vater empfängt.

     

    Ein überwiegend ruhiger Handlungsablauf mit entsprechender Erzählweise. Die zweite Geschichte ist etwas dramatischer gestaltet, durchaus gelungen.

    Die Idee der Erzählungen ist nicht übermäßig originell oder neu, aber durchaus lesenswert durch einen stimmigen Gesamteindruck. Mir persönlich ist die Ausgangslage etwas zu ähnlich, d.h.  dreimal ein Vaterproblem (vermisst/ trinkend/ kriegsgeschädigt) mit einer leidenden Ehefrau, bzw. zwei leidenden Töchtern.

    Vielleicht sollte man die Geschichten mit größerem Zeitabstand lesen, ist bei Kurzgeschichten durchaus sinnvoll und praktikabel.

    Figuren:

    Die Figuren sind überwiegend gut beschrieben,  ist in kurzen Geschichten immer etwas komprimiert, geht wohl nicht anders. 

    Manche Fragen bleiben offen: Was ist Karl für ein Typ? Warum trinkt der alte Fichtner? Wieso wird eine Mutter (3te story), die sich jahrelang allein durchschlagen musste, auf einmal zum "Mickermäuschen"?

    Nun, wie gesagt, das ist sicher ein Nachteil der short stories...

    Sprache/Duktus:

    Überwiegend der Thematik angemessen, manchmal zu altbacken.

    "Hilde war bang."  Das klingt nach einem Kinderbuch, sorry..."

    "Der Vater hatte ihn angeschafft..." das zu tun.  (Wort?)

    Manchmal wäre ein Adjektiv oder eine Erklärung weniger (Hilde tat dies, Hilde tat das...) angenehmer.                                        Z.B., die Hausbeschreibung zu Beginn, da ist der Vergleich mit der "Normgröße" überflüssig, das Gebäude ist ausreichend beschrieben worden. Auch "Hildes Emotionen überschlugen sich..." usw., ist zu viel des Guten.

    Auffallend auch, dass die Namen Hilde / Sonja zu oft benutzt werden. Öfter mal umschreiben: die junge Frau/ das Mädchen oder auch mal einsparen. "Doch als Hilde eintrat, wurde es still. Hilde erschrak..." Letzteres streichen, die Situation spricht doch für sich.

    Manchmal ist hier eben ein Tick zu viel erklärt, da reichten oft Andeutungen oder die stimmige Atmosphäre aus, um ein passendes Bild in der Phantasie des Lesers zu erzeugen.

     

     

    Struktur:

    Die Struktur ist durchweg geradlinig, gut zu lesen. Die jeweiligen Enden der Geschichten wirken etwas zu knapp geraten.

    Wenn man die Gedanken der Hauptdarsteller darstellt und nutzt, dann noch etwas subtiler und auch mal dramatischer...

    Aber, das ist, wie schon erwähnt, sicher eine schwierige Aufgabe für solche kurzen Erzählungen... 

     

    Zusammenfassend:

    Die Geschichten sind gut lesbar und in sich stimmig. Einige sehr gelungene Bilder und Beschreibungen. Es wird auch etwas Spannung aufgebaut, am überzeugendsten in der zweiten Geschichte. 

    Mir persönlich ist das Thema der jeweiligen Geschichte zu ähnlich, wird sicher aber auch anders empfunden.

    Alles in allem:

    Ordentliches Handwerk, stimmiger Gesamteindruck, gut zu lesen.

    Nicht übermäßig originell, ist bei dem Thema als Kurzgeschichte aber auch schwierig. Daher eher ein Stoff für Leute, die solche Nachkriegs/ Vorkriegserzählungen mögen.

    Wobei das Thema (im weitesten Sinne: Krieg und Frieden) im Grunde natürlich zeitlos ist...

     

     

    • Kommentar von MaAnne am 12.03.2013

      Die Sprache ist der beschriebenen Zeit angepasst, bang ist auch kein "Kinderbuchwort" und "angeschafft" im bäuerlichen Milieu ein sehr gebräuchliches Wort. Und nirgends ist davon die Rede, dass sich Hilde jahrelang allein durchschlagen musste. Das Kind liegt ja noch im Kinderwagen, was anderes vermuten lässt. Trotzdem, danke fürs Lesen und Kommentieren! LG - MaAnne

  • 5.00 Sterne

    Dieses Buch wurde vom Leser empfohlen

    wunderbar

    Von Faye Normenalle am 11.03.2013

    Zusammenfassend:

    Wunderbar bildlich geschrieben, schon der erste Absatz macht Lust auf mehr. Ich habe nichts gefunden das ich bemängeln könnte.

    Ich kann das Werk guten Gewissens weiter empfehlen.

    Viel Erfolg weiterhin!

    • Kommentar von MaAnne am 11.03.2013

      Danke für die lobenden Worte und den Flieger! Liebe Grüße - Marianne

  • 3.40 Sterne

    Dieses Buch wurde vom Leser empfohlen

    Kälte

    Von uschilein am 27.02.2013

    Handlung: Kälte und Einsamkeit ist wie hier deutlich gezeigt wird keine Frage der Zeit.
    Figuren:

    Hilde die sich große Sorgen um ihren Ehemann macht, der sich noch immer im Krieg befindet. Eine unsympathische Figur. Die Tochter bleibt etwas blass.

    Thekla versucht ihren Bruder vor der Wut des betrunkenen Vater zu beschützen.

    Sprache/Duktus: Handwerklich sind die Geschichten schon recht gut gelungen. Auch die Dialekte sind gut zu lesen, passen schön dazu. Allerdings würde ich mir mehr Beschreibungen wünschen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autorin meine Fantasie zu wecken versucht, indem sie viel Raum dafür lässt. Aber wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich das miterleben, was die Schreiberin sieht,
    Struktur: Gut überschaubar sind die drei Kurzgeschichten durchstrukturiert. Hierfür voll Sterne.
    Zusammenfassend: Insgesamt ist es eine schöne Sammlung von Geschichten, die ziemlich düster sind in ihren Aussagen. Sprachlich bin ich nicht richtig glücklich damit und auch die Figur der Hilde ist nicht so richtig passend, was ihren Charakter betrifft. Trotzdem empfehle ich diese Geschichten zu lesen.
    • Kommentar von MaAnne am 27.02.2013

      Uschilein, ich danke dir für die Bewertung und den Flieger! Allerdings kann ich nicht ganz nachvollziehen, was du mit "die Tochter blieb etwas blass" aussagen wolltest. Hast du vielleicht die Schwiegertochter gemeint, als "Tochter" wird nur das Baby erwähnt. Und was meintest du damit, dass die Figur der Hilde "nicht passend" wäre? Hätte die Protagonistin Hilde etwas forscher auftreten sollen? Neugierige Grüße - MaAnne

  • 4.20 Sterne

    Dieses Buch wurde vom Leser empfohlen

    Wichtige Geschichten

    Von Sinjane am 17.02.2013

    Handlung: Drei Kurzgeschichten nehmen die Leserin mit in Zeiten, in denen die Lebensumstände schwieriger waren als heute. Dennoch sind es weniger die geschichtlichen Ereignisse, als die Spannungen innerhalb der Familien, die hier im Mittelpunkt stehen. Es wird ein eindringliches Bild der Folgen von Kälte und Einsamkeit vermittelt.
    Figuren: Hilde in der ersten Geschichte ist mir zu verhuscht, verängstigt, demütig. Ansonsten sind die Figuren klar gezeichnet und glaubwürdig.
    Sprache/Duktus: Klare, fehlerfreie Sprache mit stimmigen Dialekteinfärbungen. Die Atmosphäre von Anspannung und Tyrrannei wird mit wenigen Worten verdeutlicht. In der ersten Geschichte habe ich bei der Beschreibung des Bauernhauses sofort das Haus vor mir gesehen, in dem ich aufgewachsen bin, noch bevor klar wurde, dass das Ganze tatsächlich im Schwäbischen handelt.
    Struktur: Drei Kurzgeschichten, die jeweils klar strukturiert mit eindeutiger Perspektive, Schauplatz etc. sind. Handwerklich korrekt.
    Zusammenfassend: Mit wenig sichtbarem Aufwand wird jeweils eine Atmosphäre geschaffen, die unter die Haut geht, gerade durch die scheinbare Alltäglichkeit der Geschehnisse. Ich musste viel an die Nachkriegsgeschichten meiner Großmütter denken. Meine Oma ließ meine Mutter als Baby vor Schreck fast in der Wanne ertrinken, als sie den Boten kommen sah, der ihr die "Vermisst"-Meldung überbracht hat. Das mit "Heil Hitler" unterschriebene Geseiere von wegen "für das Vaterland" macht mich heute noch wütend. Also, ich schreibe das hier, um zu verdeutlichen, dass beim Lesen sehr viele Bilder und Emotionen hochgekommen sind. Marianne, Dir weiter viel Erfolg beim Schreiben!
    • Kommentar von MaAnne am 17.02.2013

      Danke für die Rezi, den Tipp und den Flieger! Ja, auch ich habe als Kind solche Geschichten erzählt bekommen, aber erst viel, viel später die volle Tragweite begriffen. Kaum vorstellbar, dass diese Zeit eigentlich noch gar nicht so lange her ist. Liebe Grüße - Marianne

    • Kommentar von Sinjane am 17.02.2013

      Nachtrag zu "Sprache": Ein Nebensatz ist immer ein schwacher Einstieg in eine Geschichte. Daher in der zweiten KG vielleicht mit "Thekla hielt den Atem an." einsteigen.

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Marianne Brugger

ZeitenSprünge

ZeitenSprünge
3.6 Sterne
N/A
Seiten 38
ISBN-13 978-3-8476-3374-7
Veröffentlicht am: 18.11.2012
Aktualisiert am 12.10.2014

Geklickt 2890

Autor

MaAnne

Marianne Brugger

Mitglied seit 20.07.2012
3 Veröffentlichungen