Es sollte nur um Liebe, nur um das Herz gehen - doch je mehr Nina erleidet und je öfter ihr Leben vom Tod begleitet wird, umso unbedeutender wird die Frage, wie sehr sie liebt. Ein Auszug der achtzehn Kurzgeschichten.
Es sollte nur um Liebe, nur um das Herz gehen - doch je mehr Nina erleidet und je öfter ihr Leben vom Tod begleitet wird, umso unbedeutender wird die Frage, wie sehr sie liebt. Achtzehn Geschichten umreißen die Vergangenheit und die Ängste dieser Frau, bei denen es oft um Enttäuschung, Untreue und Tod geht, manchmal um Glück und Begehren, aber immer in irgendeiner Form um Liebe.
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Eines haben alle Kurzgeschichten gemein: Sie beginnen fesselnd und enden aufwühlend. Jede der Kurzgeschichten im Einzelnen zusammenzufassen halte ich in diesem Fall für den potenziellen Leser nicht sinnvoll, denn es reicht schon aus, einfach mit Lesen zu beginnen, dazu braucht es keinen weiteren Anreiz, denn Ron Müller weiss es, seine Leser zu packen.
Die meisten der beschriebenen Figuren befinden sich in einer kritischen Situation, in einer „Randsituation“ wenn man so will. Es fällt nicht im Geringsten schwer, sich in die Figuren hineinzuversetzen, da sie durch das gekonnte Zeichnen ihres seelischen Innenlebens überaus authentisch wirken.
Wenn es hier 10 Sterne zu vergeben hätte, würde ich 11 geben! Ich bin schlicht beeindruckt, mit welcher Finesse der Autor die Situationen beschreibt. Trotz der eher gehobenen und scheinbar mit viel Zeit durchdachten Wortwahl wirkt sie nicht im Geringsten gekünstelt sondern einfach nur zu 100% passend. KOMPLIMENT!!
Auch hier finde ich keinen Punkt, der den Abzug eines Sterns berichtigen würde. Der Spannungsbogen ist absolut ideal, man kann diese Geschichten nicht einfach weglegen. Obwohl man das tragische Ende vermuten kann, ist man zum Schluss dennoch auf eine seltsame Weise überrascht und überwältigt. Von Langeweile kann hier nicht eine Sekunde die Rede sein.
Es braucht ziemlich viel, dass mir ein Text richtig unter die Haut geht. Ron Müller hat das geschafft! Die Geschichten zeigen alle die bestimmte eine Richtung an, sind aber dennoch abwechslungsreich und allesamt mehr als packend gestaltet. Es ist diese Art von Erzählung, die nicht jedem gefällt, weil viele Leute sich von der Tragik, die das Leben schreibt, nicht abgrenzen können. Allen die ein Auge für Wertvolles in der Literatur haben, kann ich diese Texte nur wärmstens empfehlen. Dem Autor wünsche ich viel Erfolg und Gehör!
Kommentar von ronmueller am 18.02.2013
Hallo Jay88, vielen lieben Dank für die Einschätzung. Sie freut mich sehr.
In der ersten KG ist die Rede von Anne, die stirbt. Besser gesagt, sie legt sich auf die Schienen. Obwohl die Geschichte ordentlich geschrieben ist, kommt der Sinn nicht bei mir an (eine unbeantwortete Liebe?)
In der 2. KG geht es um die Liebe zwischen Leander und Lotta, die sich aber trennen müssen. Nach meinem Geschmack ist das ganze zu rührselig, dennoch berührt es nicht, weil ich weder erfahre, wie die beiden zueinander gefunden haben noch warum sie sich getrennt haben.
In der 3. KG nimmt sich ein Mann das Leben. Es wird geschildert, wie er die letzten Momente seines Lebens durchleidet.
Mehr habe ich nicht gelesen. Mir wird die Liebe hier zu sehr über Schmerz und Leid definiert.
Ist das die Absicht des Autors? Dann ist es gelungen. Allerdings fehlt mir insgesamt eine durchgehende Handlung. Hier werden aber m.E. nur Gefühls- und Gedankenfetzen von unglücklichen Personen wiedergegeben.
Die Sprache "klingt" sehr gehoben, mir ist das Ganze ein wenig zu übertrieben. Z.B. S. 10 ... berührte mit den Lippen die kleine vertikal verlaufende Vertiefung oberhalb ihre Oberlippenrots - Oberlippenrots ist seltsam, finde ich. S.11: Das Rot der Dämmerung schob den Rest des Abends vor sich her - na ja.
Nich meines.
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Wie in dieser Textform üblich sind die Figuren die Handlungsträger der Geschichte, somit gilt im wesentlichen gleiches, wie für die Handlung.
Herausheben an dieser Stelle möchte ich "Gunnar" und "Lysander", die mich noch vor allen anderen Figuren mit ihrer Tiefe und Konsequenz beeindruckt haben. Linientreue Gestalten zu schaffen, die sich mit "echten Menschen" verwechseln lassen, ist schwierig und wird von Autoren mal besser und mal schlechter gelöst. Ich kann von mir behaupten, wirklich viele Kurzgeschichten gelesen zu haben und diese beiden Figuren gehören zu den besten, die mir begegnet sind. Warum das so ist, will ich an dieser Stelle nicht erläutern, um nichts vorweg zu nehmen. Nochmals die Empfehlung: Auch wenn das Buch Sie nciht ansprechen sollte, lesen Sie wenigstens die Geschichten, um diese beiden, Sie würden sonst ewas verpassen!
Sprache und Duktus sind immer sehr subjektiv. Kritik verkommt daher schnell zu einer eher unkonstruktiven Darstellung des eigenen Geschmacks, die leider allzuschnell etwas verurteilt oder in den Himmel hebt. Bei "Randerscheinung" finde ich es notwendig darauf hinzuweisen, denn der Stil hier ist sehr speziell.
Zuallererst fällt dem Leser auf, dass in "Randerscheinung" das fehlt, was in anderen Büchern als "Stiltreue" (liest sich von vorn bis hinten aus einem Guss) immer vorausgesetzt wird. "Randerscheinung" wirkt wie eine Textcollage, mal werden viele Adjektive verwendet, mal werden sie komplett ausgespart. Mal sind die Sätze bei Beschreibungen sehr komplex, mal findet man Kaskaden von Hauptsätzen. Das wirkt zusammengepuzzelt und nicht jeder ist ein Freund davon (wie es in anderen Rezensionen z.B bemängelt wird). Für mich persönlich unterstreicht der Stil glänzend die psychische Verfassung der Figuren und gleichsam den Charakter des Buches an sich. Auf engem Raum tummeln sich sehr viele Geschichten, handlungen, Schauplätze, Personen. Da ist es legetim, dass auch die Sprache sich rasch ändert.
Außerdem ist es mal wieder ein etwas anderes Leseerlebnis.
Über die Struktur habe ich in den anderen Feldern bereits so viel verloren, dass ich uns allen eine Wiederholung an dieser Stelle ersparen möchte ;-)
Als Sternebewertung bemühe ich mal den Durchschnitt der vorhergehenden Bewertungen.
Eine Erklärung der hohen Wertung. Man könntein allen Punkten auch Dinge bemängeln, ja, man könnteauch über nur 4 oder sogar nur 3 Sterne insgesamt diskutieren. Warum vergebe ich also überall 5 Sterne.
Das Buch stellt das dar, was es darstellen will. Es ist eine zusammengepuzzelte Kurzgeschichtensammlung ohne die Zugeständnisse, die in der Regel erwartet werden (ausgeprägter roter Faden, Stiltreue, Hauptfiguren, Gewichtung der einzelnen Handlungen usw.). Das ist ungewöhnnlich, seitens des Autors würde ich es sogar als mutig bezeichnen, denn es gefällt wirklich nicht jedem.
Wer sich aber darauf einlassen möchte, der bekommt ein in sich stimmiges und wirklich innovatives Lesevergnügen geboten. Ich habe das Buch mittlerweile sechs mal gelesen und finde immer wieder neue Details oder neue Ansätze, das Gelesene anders zu interpretieren.
Kommentar von ronmueller am 14.01.2013
Da schreibt man ein Buch und dann kommt ein anderer und macht einem erst mal verständlich, was man da geschrieben hat. Großartig Mathies! ;-)
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