In unterschiedlichen, nicht ganz ernst zu nehmenden Kurzgeschichten sollen hier Denkanstöße für mancherlei Alltäglichkeiten gegeben werden, die aufgrund ihrer scheinbaren Banalität nur allzu schnell übersehen werden
In unterschiedlichen Kurzgeschichten sollen hier Denkanstöße für mancherlei Alltäglichkeiten gegeben werden, die aufgrund ihrer scheinbaren Banalität nur allzu schnell übersehen werden. Da wird zu einem der Disput zwischen zwei Weltverbesserern thematisiert und zum anderen über das Phänomen des Lachens sinniert. In einer weiteren KG wird die Sinnlosigkeit einer aussichtslosen Liebe debattiert. Obgleich alle Geschichten unabhängig voneinander stehen, haben sie doch eines gemein – sie animieren zum Lachen und zum Nachdenken – hoffe ich jedenfalls.
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Zufällig verriet mir die Shuffle-Box, dass die „Kakophonien“ sich noch Rezensionen wünschen. Draufgeklickt, runtergeladen, nicht bereut! Ich schreibe bewusst nur zusammenfassend, weil ich sonst vergesse, was ich dazu sagen möchte.
In meinen Augen ist das ein echter Leckerbissen einer KG-Sammlung. Genau wegen solchen Werken ist es einfach nur schade, dass KG`s im WB nicht mehr zugelassen sind. Ist nachvollziehbar, aber ein separater WB für Kurzgeschichten wäre doch sehr wünschenswert!
Um auf das Werk zurückzukommen (Sorry, abschweifen ist mein zweiter Vorname):
Momentaufnahmen, Charakteranalysen, schamlose Deklaration menschlicher Eigenschaften und vor allem menschlicher Schwächen. Wie oft habe ich solchen Gesprächen gelauscht, bei denen sich die Mehrbesseren mit unanfechtbaren Tunnelblickargumenten ihren ach so wichtigen Status hervorheben mussten. Und wie oft habe ich verkrampft versucht, meine Klappe zu halten. (was mir nicht immer gelingt) Ich weiss nicht, ob es nur daran liegt, dass ich ein ziemlich ähnliches Bild gegenüber Kategorisierungen und Statushervorhebungen habe oder daran, dass die Sprache einfach mit jedem Wort ins Schwarze trifft, alles was ich sagen kann ist: Geniales Werk.
Ich bewerte dieses Werk als das was es ist: Eine Kurzgeschichtensammlung, die allein aufgrund des Genres kaum zu einem gedruckten Bestseller werden dürfte. Allerdings bin ich überzeugt, dass es als elektronischer E-Book-Leckerbissen - erst einmal RICHTIG entdeckt-, ein Kassenschlager werden könnte.
Wenn ich jetzt einen Stern abziehen würde, dann höchstens aus Neid auf diese treffsichere Sprache, doch dies gehört nicht gerade zum Grundsortiment meiner Charaktereigenschaften (soll nicht arrogant klingen)
Zuversichtlich, dass es noch genügend Leseratten gibt, welche die Besonderheit dieser Art von Momentaufnahmen ebenfalls erkennen und davon begeistert sein werden, vergebe ich bewusst und (m.E.) berechtigt die volle Punktzahl und einen enthusiastischen Papierflieger obendrauf.
Kommentar von winterschlaefer am 07.03.2013
Vielen Dank für die Wertung und den Flieger, was mir zeigt, das auch Verrücktes hier ne Chance hat
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1. Männergespräch im Treppenhaus.
2. 3 Männer unterhalten sich an einer Bushaltestelle.
3. der Brief ( mein Favorit )
Die Spracher ist der Hammer. Oder in den Worten des Autors "exzellent, superb, virtuos"
Ich werfe jetzt einfach meinen Duden in den Müll und frage bei dir nach den passenden Fremdwörtern.
Wirklich vorzüglich!
Tue ich mir bei KG echt schwer eine Beurteilung abzugeben.
Scheint aber alles zu passen und ich bilde mir ein, einen hellroten Faden zu erkennen.
Unglaublich, dass du so triviale, alltägliche Handlungen in solche Worte packen kannst.
Die Geschichten sind spannend und humorvoll.
Wenn man dann noch einen Schuss Sarkasmus in den Cocktail hineinpackt, erhält man diese geilen (entschuldige bitte meine profane Ausdrucksweise) Geschichten.
Ich verleihe dir hiermit einen exquisit gebastelten Papierflieger und wünsche dir viel Erfolg mit deinem Buch.
Liebe Grüße, Micha
Kommentar von winterschlaefer am 06.03.2013
Vielen Dank für den Kommentar und die Wertung, es gibt eben doch immer wieder tiefere Geister hier
Scheinbar bewusst abgehobene Sprache in ermüdenden Schachtelsätzen, so dass einem nach ein paar Absätzen bereits das Lächeln im Gesicht gefriert. Ich kam nicht rein in die Geschichte, quälte mich aber doch durch, weil ich immer hoffte, dass es besser würde. Leider hätte ich nach einer Seite aufhören sollen, ich hätte dem Autor glauben sollen, dass sein Nachbar eine "affige" Sprache hat und diese wohl mit den Jahren zwangsläufig auf ihn abgefärbt hat.
Das Werk verspricht im Untertitel, dass es etwas zum Lachen wäre. Ich habe nicht einmal auch nur eine Sekunde geschmunzelt. Die Sprache geht gar nicht. Vollkommen absurd wird das Ganze, als der Ich-Erzähler sich über Lämmerspiels Sprache aufregt - vielleicht soll das ja satirisch sein, doch das kommt bei mir in dem Werk nicht an, zu sehr gekünstelt ist alles.
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1. Kakophonien: Der Ich-Erzähler reflektiert auf ironische Weise das gespaltene Verhältnis zu seinem Nachbarn Lämmerjahn. Besonders reibt er sich an der Meinung des selbstverliebten „Langzeitstudenten“ über Sinn und Zweck einer Elite.
2. Über das Lachen: Die Eingangssituation an der Bushaltestelle ist nur Aufhänger, um das Thema „Verschiedenste Varianten / Schattierungen des Lachens“ zu erörtern, - darüber locker zu philosophieren. Das Lachen wird auf soziale und psychologische Aspekte hin regelrecht durchleuchtet, fast schon analysiert. Damit geht allerdings der Zusammenhang zu der das Nachdenken auslösenden Anfangshandlung peu à peu verloren. (Siehe auch Struktur!) Viele der geäußerten Gedanken / Entdeckungen erscheinen mir als klug und tiefsinnig. Hier und da wird eine ähnliche Aussage nur in anderer Formulierung getroffen. Ganz selten habe ich inhaltlich gestutzt, - wie etwa auf Seite 12: Ist das Lachen „Prüfstein“ oder nicht eher ein Spiegel des Charakters? …
3. Verliebt I bis III: Schön in Briefform verpackt, erleben wir, wie ein schon in die Jahre gekommener Herr (um die 50) einer schon verabschiedeten weit jüngeren Praktikantin sein Herz ausschüttet. – Amüsant!
Ich bewerte hier mehr die inhaltliche Tiefe als die Handlung und das äußere Geschehen. (noch *****)
Ich-Erzähler – mehr kritisch bewertender Beobachter als selbst Akteur //
1. Lämmerjahn (Nachbar) – Er ist die m.E. am feinsten konturierte Figur in den drei Kurzgeschichten. Als Narziss, der sich für überdurchschnittlich intelligent hält, wird er anhand typischer Details prima charakterisiert. Zugleich erleben wir eine Persiflage auf abgehobene Denkweisen einer gewissen Oberschicht.
2. drei wohlsituierte Herren und andere Figuren in Mini-Episoden. Außer dem Glatzkopf mit grauem Haarkranz bleiben die Personen (im Gegensatz zur ersten Geschichte) schemenhaft, erscheinen nur als Auslöser gedanklicher Betrachtungen.
(****)
Erfreut entdecke ich ein unverkennbares Schreibtalent, das über einen beträchtlichen Wortschatz verfügt und durch einen individuellen Stil glänzt, - aber leider im abschließenden Korrekturlesen durchgängig (!) etwas schludrig verfährt. Das reichhaltige Begriffs-Repertoire offenbart sich z.B. in der ziemlich langen Passage, die verschiedensten Facetten des Lachens gewidmet ist. Es kann „natürlich“, „echt“, „aufrichtig“ usw., aber auch „aufgesetzt“, „boshaft“, „hämisch“, „schadenfroh“ etc. sein.
Erfreulich sicher ist der Autor hinsichtlich RS und Grammatik.
Hier und da empfehle ich paar Minikorrekturen, Beispiele für zumeist Flüchtigkeitsfehler (durchgängig!) Hier nur mal exemplarisch auf den ersten zwei Seiten. Typisch: Bei Nebensätzen auf die Bezugswörter achten, etwa:
S.5 „…und bildet sich darüber ständig fort.“ > darüber hinaus, oder Formulierung ändern, auf die „darüber“ bezogen ist // S.5 unten: „… Bedeutung beimaß, („was“ einfügen) mir jedoch zunehmend missfiel.“ // S.6 (1.Abs.): „… da er es wohl missverstehen hätte.“ > missverstanden // 2.Abs.: „… ärgerte ich“ > mich // 3.Abs.: „… hingegen nur wirklich Starke …“ > wogegen oder wohingegen // unten: „Wolle er mich provozieren?“ > Wollte // Das Exzerpt-Thema müsste „… und die Folgen …“ heißen // S.6 (letzter Abs.) „… Eindruck einer absonderlichen Mischung …“ (etwas unglücklich formuliert) // S.7 (1.Zeile): „Das er …“ > Dass // „…der Anspruch …“ > den // des Hickhack > Hickhacks; // S.18 „eterisch“ > etherisch oder ätherisch etc.
(*****)
In der gedanklichen Aufbereitung der Struktur (im Vorfeld des Schreibens) sehe ich die größte Reserve. Ich versuche mal, die wichtigsten Kriterien herauszufischen:
1. Handlungsverläufe / Geschehen sollten zu gedanklichen Reflexionen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, was besonders für die zweite Geschichte zutrifft.
2. Mitunter erscheint mir die äußere Handlung, Situatives und auch Atmosphärisches etwas als Vehikel, um der eigentlichen Vorliebe zu frönen, Betrachtungen über menschliches Verhalten anzustellen. Das birgt die Gefahr der Verselbständigung solcher Gedankengänge. Und da schreibt der Autor dann selbst: „Aber ich schweife ab.“ (S.14) Oder: „Aber jetzt genug davon.“
3. Sinnvoll schiene es mir, zu überlegen, wie kleine Auslöser fürs Erzeugen von Neugier bzw. Spannung eingebaut werden können. Dann käme das Ende der Geschichte auch nicht so unvermittelt, abrupt. Zumeist fließen die Geschichten (Betrachtungen) so auf einem Level dahin.
Am gelungensten finde ich diesbezüglich die dritte Geschichte. Hier ist man immerhin auf die Reaktion der Praktikantin S. gespannt.
(Hier leider nur ***)
Die drei „Kurzgeschichten“ habe ich mit großem Interesse gelesen, obwohl es keine Geschichten im engeren Sinne und schon gar keine Erzählungen sind. Im Zentrum stehen weniger Handlungsabläufe, als vielmehr die geistige Auseinandersetzung mit Themen - wie etwa „Denkweisen selbstgefälliger Eliten“ oder „Das Lachen, das viel über das Wesen eines Menschen verrät“. Allerdings wünschte ich mir, dass die durchaus klugen und sinnvollen intellektuellen Erörterungen deutlich enger mit den Handlungssträngen verwoben sind, um so noch bodenständiger daherzukommen. Da der Autor unverkennbar sein sprachliches Talent beweist und vielfach stilistisch brilliert, dürfte es ihm leichtfallen, durch originelle Handlungsabläufe noch etwas mehr Spannung und einen Schuss mehr Esprit in seine Geschichten zu bringen.
Doch insgesamt gefielen mir die Betrachtungen über vertraute Arten alltäglichen menschlichen Verhaltens und stimmten mich oft nachdenklich bezüglich der Substanz / Lauterkeit sozialer Beziehungen. (****)
In diesem Sinne, lieber Winterschläfer, viel Erfolg im Wettbewerb.
Kommentar von winterschlaefer am 19.02.2013
Vielen Dank für diese überaus fundierte Rezension, die neben einem tiefen Sachverstand in literarischer als auch stilistischer Hinsicht, vor allem das rechte Gespür für das Anliegen des Textes verrät. Daraus lässt sich nicht nur schöpfen, sondern auch aufbauen, fühle mich sehr geehrt
Dieses Buch wurde vom Leser empfohlen
Kakophonien: Eine Auseinandersetzung über schwache und starke Menschen, oder diejenigen, die sich als schwach oder stark einschätzen (also, mit den dazugehörigen, und wie man liest, nicht zu unterschätzenden Missverständnissen). Am meisten gefallen hat mir „Über das Lachen“, ein grandiöser Text: Es stimmt wahrhaftig, dass jede Art des Lachens Bände sprechen. Nicht zu vergessen: Manchmal lacht man auch, um nicht weinen zu müssen, aber da kämen wieder die Kakophonien ins Spiel... Während des Lesens habe ich jedenfalls nicht gelacht, aber aus dem Schmunzeln bin ich nicht mehr rausgekommen. Hab mich dann daran erinnert, wie ich mal aus einem Kino rausgeschmissen wurde, weil ich so lachen musste (Das Dunkle Kristall). Den zweiten Teil habe ich mir dann am nächsten Tag angesehn (und mich wieder halbtot gelacht) Die Verliebt Briefe 1,2,3, habe ich sehr genossen, besonders, als er schrieb: und da Sie jetzt nicht mehr da sind, betrachte ich manchmal ihren leeren Stuhl....
Sind hier Nebensache. Nach einer kurzen Beschreibung, liefert der/die Erzähler/in so viele Bilder und Eindrücke, dass man vor dem PC in eine Art Trance fällt....(natürlich im positiven Sinne gemeint.)
Es ist die Sprache, die mich bei diesen Texten am Ball bleiben lässt. Einfach köstlich, ein/e Meister/in des Wortes, (jede Zeile erzäugt Bilder, Gedanken, Fragen und jede Menge Antworten!)gewürzt mit intelligentem Humor, Ironie und Sarkasmus. Und mit einem Rythmus, dass man nicht mal an das kochende Wasser auf dem Herd denken darf, weil man dann bereits die hälfte verpasst. Die Autorin könnte zwanzig Seiten über einen Wasserhahn schreiben und den Leser auf völlig neue Eindrücke bringen. (Als Beispiel, ein Meisterwerk von Calvino: Die Mülltonne)
Kakophonien und „Über das Lachen“ erscheinen mir eher Essays: Da könnte der Autor schreiben, bis ihm die Tasten entgegen springen.
Na, wenn das Mal nicht ein neo-bookle wird...
Hier hat man was zum Zuhören, Nachdenken und Schmunzeln und es wird mit Sicherheit viele Leser/Anhänger finden. Aber Achtung, viel Kopfarbeit! Ich wünsche Dir ganz viel Glück! Oh Gott, hoffentlich hab ich alles richtig gemacht, komm mit den Sternen garnicht klar.
Kommentar von winterschlaefer am 09.02.2013
Vielen Dank für deine überaus lobende Rezension und die Wertung. Das macht Mut.
Kommentar von winterschlaefer am 07.02.2013
Vielen Dank für die Rezi und den Flieger, freut mich, wenn es dich erheitert hat