Herrlich antiquiert! Wunderbar romantisch!
von tHEfOOl am 06.04.2011
Handlung:
Das, was es an Handlung gibt, wird im Exposé bereits umrissen. Eigentlich bleibt hier nur hinzuzufügen, dass sich auch die Haltung des Briefeschreibers ein wenig ändert - vom ehrfürchtig anbetenden, stillen Bewunderer hin zum enttäuscht tadelnden und dann wieder versöhnlich einlenkenden Beobachter. ---------- Über den Text wird ein schwebender Blickwinkel vermittelt - der ausschließlich den Briefeschreiber betrifft. Ob die Studentin je einen dieser Briefe erhalten haben könnte, bleibt ebenso im Unklaren wie die Möglichkeit, dass sie vielleicht geschrieben, nie aber abgesendet/zugestellt/übergeben worden sind. Dahin gehend fehlt jegliche Andeutung, was beinahe schon wie der Beweis für die reine Fantasie ist.
Figuren:
Der Briefeschreiber selbst bleibt schemenhaft, auch wenn er von seinem Privatleben und seinen alltäglichen Problemen (auch mit dem Älterwerden) berichtet. Die ägyptische Studentin wird idealisiert und blumig umschrieben - aber (auch mangels persönlichen Kontaktes) nicht wirklich treffend charakterisiert. Ihre Freundinnen werden ebenso wie Kollegen des Briefeschreibers nicht weiter eingehend behandelt.
Sprache/Duktus:
Und das gerade mir, der ich doch die moderne Sprache keineswegs besonders schätze. Ja, ich habe mich sehr wohl gefühlt, mit dieser antiquierten, fast goetheschen Ansammlung von Umschreibungen und Vergleichen. Dazu: fast fehlerfrei und ohne grammatikalische Holperigkeiten. Das ist nicht so häufig, wie man hoffen sollte.
Ein paar Momente gibt es in diesem Text, die ich mit 'hochgezogenen Brauen' gelesen habe (um im Stil zu bleiben) - >> … goldbraun schimmernde Haut, die sich um Ihre Augen spannt, sich auch über ihren ganzen, jungen Körper erstreckt. …<< // >> … schlängeln sich wie Schlangen um die soliden Knochen Ihrer Extremitäten. …<< - aber dem stehen dann auch so hochromantische Aussagen gegenüber wie diese: >> … so bin ich doch schon alleine deshalb beglückt, weil ich weiß, dass Ihre und meine Hände dasselbe Papier berührt haben. …<<
Struktur:
Ein paar einleidende Sätze, dann ausschließlich der Inhalt von sieben Briefen - leider mit sehr großen Abständen zwischen den einzelnen Absätzen. Das brachte bei mir den Lesefluss ein wenig auseinander.
Zusammenfassend:
Herrlich antiquiert! Wunderbar romantisch! -------------
Respekt! Das ist ein gut durchdachtes Stück Arbeit, ganz im alten Stil ausgeführt - sprachlich wie inhaltlich. Alleine schon, wie die Rechtfertigung für diese Briefe erklärt wird: >>Und da Sie dieses Gefühl, wenn auch ungewollt, in mir auslösten, haben Sie auch ein Recht darauf, davon zu erfahren.<< Das hat mir sehr gut gefallen.
Ein gewisses Grübeln kann ich mir nicht verbeißen, wenn es um die verschiedenen Aussagen des Briefeschreibers im Hinblick auf Vergleiche zwischen westlich-europäischer und orientalischer Kultur geht. Aber das ist ja auch als Ausdruck der Gedanken dieser literarischen Personage und nicht als Statement des Autors zu werten.
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Noch einmal auf gewisse Unebenheiten überprüft, die allzu auffälligen Romantizismen vielleicht etwas gedämpft, dann ist dies alles in allem eine interessante Lektüre von einem, wie es scheint, sehr gebildeten, zumindest belesenen Autor, der auch Lebenserfahrung vermitteln kann … vielleicht über die hinaus, die er bereits selbst sammeln durfte.
Die Sprache mag nicht für jeden verträglich sein, ich habe sie genossen. Nicht nur deshalb würde ich auch eine Empfehlung geben, doch der Flieger ist nicht anklickbar!
Kommentar von cpMangan am 12.04.2011
Vielen Dank für die Mühe! Eine sehr gute Rezension!