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Eine wahre Heldenreise....
von astamic am 14.01.2011
Handlung:
Der 14 jährige Uwe lebt in einem Heim und bewältigt sein Kindheitstrauma in dem er schreibt. In seiner Geschichte wird er von Mink, dem Gedemütigten, zu Minkigrand, dem Helden, da Uwe sich im wirklichen Leben nicht heldenhaft fühlt. Sein neuer Mitbewohner Jan dagegen, ist in seinen Augen ein Held, denn Jan hat seinen Peiniger getötet. Aber Jan sieht nicht aus wie ein Held und führt sich auch eher nicht mutig auf. Langsam und sehr sensibel nähert Uwe sich diesem eigenwilligen Helden und baut ihn in seine Fantasie Geschichte ein. Aus Jan wird Janko. Äußerlich und innerlich ähnelt er Jan. Aber nicht nur Jan nimmt Uwe in seine Geschichte auf, auch seinen Erzieher lässt er als Retter auftreten und an seinen Vater, will er sich dort rächen. Anfangs laufen die beiden Welten parallel neben einander her, bis sie sich geschickt mit einander verwoben werden.
Figuren:
Uwe ist ein äußerst sensibler und nachdenklicher Jugendlicher, dem sein Schreiben und seine Kreativität über die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheit hinweg helfen. Schreiben und Geschichten erzählen als Therapie, denn das kann es ja auch sein. .... .... Jan hat ein anderes Ventil gefunden, er zeichnet sich seine trostlosen Gedanken von der Seele. (Auch eine gute Möglichkeit.) Christian, der Erzieher, hat einen sehr guten Zugang zu seinen Jugendlichen und die Idee beide zusammen in ein Zimmer zu stecken, war vermutlich durchdacht. Indem sich die beiden Jungs immer mehr öffnen und lernen einander zu vertrauen, lernen wir sie kennen. Meiner Meinung nach, sind sie sehr gut geschildert. Ihre Sprache und ihr Verhalten sind absolut glaubwürdig. Der Erzieher Christian war mir gleich sympathisch, zeigt er doch ehrliches Interesse an seinen Jungs. Der Autor hat eine äußerst feine Beobachtungsgabe. Er kann seinen Figuren soviel Leben einhauchen, dass man glaubt sie zu kennen, dass man in sie eintaucht und mitfühlt.
Sprache/Duktus:
Ich muss gestehen, dass mich der Text so aufgesogen hat, dass ich auf Kleinigkeiten wie Fehlerchen nicht geachtet habe. Meiner Meinung nach ist die Geschichte sauber geschrieben und gelungen in der Sprachwahl. Ab und zu bin ich über ein Fremdwort gestolpert, von dem ich dachte, kennen das Jungs in ihrem Alter, benutzen sie diese Worte? Aber dann fiel mir ein, dass beide Gymnasiasten sind, und dass die gehobene Sprache zumindest bei Uwe stimmig ist. Er liest viel und schreibt selbst. Worte wie „Eier“ oder ähnliches gehören auf jeden Fall in den Wortschatz dieser Altergruppe. Die Ich-Perspektive finde ich für diese Geschichte sehr gut gewählt. Erlaubt sie doch einen noch näheren Kontakt zum Erzähler. Ganz am Anfang dachte ich, ob mich dieses wiederholte Fragen, dieser Satz mit den Helden, nicht irgendwann nerven würde. Das hat er aber nicht, im Gegenteil. Er wurde zu etwas Vertrautem, zu einem Stilmittel, welches diese Geschichte noch mehr abgerundet hat.
Struktur:
Diese Erzählung auf zwei Ebenen ist einfach gekonnt. Der schwere „Stoff“ wird dadurch wunderbar transportiert. Schön auch wie sie gen Ende immer mehr miteinander Verschmelzen. Ansonsten verläuft die Erzählung gradlinig auf das gelungene Ende zu. Einfach super !
Zusammenfassend:
Warum diese eindrucksvolle Erzählung so lange in den hinteren Rängen klebte, ist mir ein Rätsel. Sie gehört ganz sicher in die TOPS. Ein so schwieriges Thema wie Missbrauch, Vatermord und Heimjugend unter einen Hut zu bringen, ohne dabei zu belehrend, moralisch oder langweilig zu wirken, ist in meinen Augen ein Kunststück. Der Autor wendet sich direkt an seine Zielgruppe, den Jugendlichen und den interessierten Erwachsenen. Dieses heikle Thema wird uns feinfühlig nahe gebracht, klärt Hintergründe und erweckt Hoffnung. Zeigt Lösungsmöglichkeiten, verwirft Überreaktionen und am Ende sind sie da, unsere Helden! ... ....
Auf Seite 80 stockte mir ein wenig der Atem, und ich schließe mich beinah der Meinung anderer Rezensenten an, dass diese Vergewaltigungsszene zu heftig für die Altergruppe sein könnte. Aber andererseits, so etwas rüttelt auf, erschüttert und warnt vor. Das Leben geht nicht mit jedem Jugendlichen sanft um. Warum sollten sie nichts von solchen Schicksalsschlägen erfahren? Warum sollte man ihnen nicht die Möglichkeit geben sich damit auseinanderzusetzen? Man braucht nur die blutige Tagespresse aufzuschlagen und wird mit zig solchen Taten konfrontiert. .... Aber ich bin kein Psychologe und kann nur aus meiner Sicht urteilen. Ich denke, wenn diese Szene fehlen würde oder sie noch abgeschwächter geschildert wäre, würde der Geschichte auch etwas fehlen. Der Schmerz trifft den Leser und hinterlässt Spuren. Er provoziert und bewegt. ..... .... Toll, Florian, ich wünsche dir noch viele so gute Geschichten. Von mir natürlich die volle Empfehlung für dich. Liebe Grüße, astamic
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Hat mich berührt
von Kuddel am 14.01.2011
Zusammenfassend:
"Kleine Helden", ist und bleibt wohl immer aktuell. Kurz und knapp: Hat mir sehr, sehr gut gefallen, ihr Buch.
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Gut!
von Mary Oscar am 14.01.2011
Handlung:
Minki lebt im Heim. Bisher hatte er das Glück sein Zimmer für sich allein zu haben. Doch dann kommt Jan hinzu – für Minki sein Held, weil Jan sich gegen seinen Vater zur Wehr gesetzt hat. Das ist etwas, was Minki nie geschafft hat… Abwechselnd wird diese Geschichte erzählt und eine Fantasy-Geschichte, die Minki schreibt, um seine Vergangenheit zu verarbeiten.
Figuren:
Minki – scheinbar ein Außenseiter im Heim – bewundert Jan. Regelmäßig fragt er sich jedoch, ob sich ein Held so verhalten würde, wie Jan. Jan dagegen sieht sich gar nicht als Held und bereut seine Tat. Beide Figuren sind glaubwürdig.
Sprache/Duktus:
Bei der Sprache ist mir nichts negativ aufgefallen...
Struktur:
Die Fantasy-Geschichte und der Text über die Gegenwart der Jungen wechseln sich ab. Diese Abwechslung macht den Text insgesamt sehr spannend, weil die Kapitel oft an interessanten Stellen enden und das nächste Kapitel wieder in der „anderen“ Geschichte spielt. Man bleibt auf jeden Fall am Ball…
Zusammenfassend:
Ein aufwühlender Text über das Leben zweier Teenager. Mich hat er gefangen genommen… Eine winzigkleine Frage bleibt: Bei Gorgalis bekommt Minkigrand neue Beinkleider, wo seine alten bleiben in unklar. Dennoch holt er bei seiner Befreiung seinen Perlmutknopf aus der Hosentasche – wie kam denn der da so plötzlich hin? Wie gesagt, eine Kleinigkeit, aber da bin ich kurz hängen geblieben…
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Mitreißend.
von Martin Mehner am 13.01.2011
Handlung:
Zwei Jungen in einem Heim, zwei Jungen mit einem besonderen, schweren Schicksal, die sich näher kommen. Parallel dazu eine Fantasiegeschichte, die der Eine schreibt und in die er den Anderen einbaut. Ein beeindruckender Plot, der mich mitgerissen hat. Jungen, die Gefühle zeigen, auf recht jungentypische Art sehr versteckt, und sie verarbeiten. Eine (gerade für mich) sehr aufschlussreiche jugendliche Sicht auf Heimerziehung und Therapie.
Figuren:
Uwe und Jan sind echte Typen. Sie sind auf gewisse Art unwahrscheinlich, aber sie könnten sich so verhalten, wenn die Bedingungen der institutionellen Erziehung es zuließen. Sie verarbeiten ihre Schicksale und geben Hoffnung. Für mich sind es starke Identifikationsfiguren. Auch wenn manchmal das Argument gebracht wird, dass die Prots für Jugendliche älter sein sollten, denke ich hier, dass aufgrund des besonderen Schicksals der Beiden auch Gleichaltrigkeit okay ist. Solche Jugendliche, wie sie hier beschrieben werden, wirken ja älter, als sie sind. Sie haben (auf traurige Weise) mehr erlebt als andere in dem Alter. Das funktioniert.
Sprache/Duktus:
Im Großen und Ganzen bin ich mit der Sprache einverstanden. Sie ist jugendgemäß. Manchmal rutscht sie allerdings ein wenig ab in eine zu elaborierte Form.
Details:
S.4: auf die Eier? In dem Alter? Sehr flockig!***
S.4: Mitte: Konjunktiv: „bemerke“***
S.5: vermutlich „glotzst“***
S.8: „klopfte“ den Stab, das Verb passt nicht so ganz***
S.10: den „bösen“ Jocrensis braucht's in einem Jugendbuch eigentlich nicht mehr, der ist ein Typ mit seiner Rolle, aus der heraus der Leser selbst entscheiden kann, wie „böse“ er ist***
S.15: erst summt der Neue und dann brummt er seinen Ton, das ist ein Unterschied***
S.37 oben: „vorbeiging“, „vorhin“ einfügen, sonst musst Du hier Plusquam verwenden***
S.38: das Heft wird auf den Teller gelegt, aber der ist doch eigentlich voller Essen?***
S.39 oben: „eine Scheune des Verlieses“? Gehören Scheunen manchmal zu Verliesen?***
S.39 mitte: „Pritsche“ statt „Kutsche“ oder „in die Kutsche“***
S.43: „Es war wohl und behaglich...“, geht nicht.***
S.44: was unter Jankos Hemd zum Vorschein kommt, muss unabhängig vom Anblick im Akkusativ sein. Weiter unten letzter Absatz, 2.Satz: besser „folgte dieser“***
S.46: „Wilden Eifers...“ - den Genitiv finde ich hier überzogen. Schreibt so ein Junge im Heim?***
S.65: „der Herr schickte...“ - manchmal sind mir Deine Konjunktive zu viel, aber hier könnte einer hin.***
S.68: „Wähne dich unter meinem Schutz.“ Wähnen? Kommt von Wahn!***
Unten: „euphorisiert“ ist zu elaboriert***
S.78: bei solcher Kälte sind Seuchen nicht so sehr wahrscheinlich***
S.83: auch wenn's mich gerade gepackt hat, aber dieses statement von Jan ist mir doch zu geschliffen...***
S.85 unten: „morgen früh“ ist doppeldeutig***
S.86: frische Kartoffeln vom Feld? Bei der Hungersnot überall? Müssten da die Felder nicht streng bewacht sein?***
S.96: unten: du hast die der Grands „für“ würdiger... - das „für“ sollte weg***
Die Zeichensetzung sollte noch mal genau geprüft werden.
Struktur:
Diese Parallelität der Ebenen - Erleben hier und Fantasygeschichte da - finde ich genial. Das liegt für mich total nahe, dass dieser Junge in diesem Alter genau das schreibend verarbeitet, was er kennt und erlebt. Die Struktur ist wesentlicher Bestandteil der Grundidee, bis hin zur Moral am Ende. Ganz stark.
Zusammenfassend:
Entscheidend für mich ist, dass ich von der Geschichte gefesselt wurde. Verbesserungsvorschläge habe ich immer - das ist schließlich das Privileg des Fremdlesers. Aber insgesamt sehe ich hier eine große Zielgruppe: Jugendliche, die sich um mehr als nur Klamotten und Musik Gedanken machen, aber auch Erwachsene, die sich für soziale und psychische Zusammenhänge interessieren. Man könnte das Buch fast schon als Lehrbuch empfehlen oder als Unterrrichtsstoff.
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Uwe und Jan
von Lange Nase am 13.01.2011
Handlung:
Die Geschichte beschreibt die beginnende Freundschaft zwischen Uwe und Jan - zwei Jungen, die sich im Heim ein Zimmer teilen. Beide habe eine schwere Vergangenheit hinter sich...
Figuren:
Uwe, ein Junge, der von seinem Vater missbraucht wurde, ist überzeugend geschildert. Er bewundert seinen neuen Zimmergenossen Jan, der den Mut hatte, seinen Vater zu töten. Er selber hingegen fühlt sich oft noch sehr klein/jung, mag es von seinem Erzieher über's Haar gestreichelt zu werden, will nach außen jedoch härter, erwachsener wirken. Jan jedoch leidet sehr unter seiner Tat, ist stark traumatisiert. Langsam gewinnt er jedoch Vertrauen zu Uwe, baut eine Beziehung zum ihm auf und erzählt ihm seine Geschichte. Jans Traumatisierung wird ebenfalls sehr glaubhaft geschildert.
Sprache/Duktus:
Die Geschichte wird auch Jans Perspektive erzählt. Die Sprache lässt sich gut lesen und ist der Geschichte angemessen.
Struktur:
Szenen, die im Heim spielen, wechseln sich ab mit Szenen aus einer Geschichte, die Uwe aufschreibt, um das Geschehene zu verarbeiten. Die Geschichte in der Geschichte nimmt dabei immer wieder Bezug zur Realität/ Vergangenheit der beiden Jungen.
Zusammenfassend:
Der Text gibt wunderbaren Einblick in die Seele einen Teenager, der Schlimmes erlebt hat. Erst durch die Geschichte, die Uwe schreibt, erfährt man mehr über die Vergangenheit der Jungen. Mich hat diese Herangehensweise sehr überzeugt!
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Geschichte in der Geschichte
von Regina Mengel am 13.01.2011
Handlung:
Zwei Jungen leben im Heim und teilen sich ein Zimmer. Einer von beiden schreibt Geschichten, die ihn in eine andere Wahrheit schlüpfen lassen. Auf diese Weise verarbeitet er das schwierige Leben als Freak. Der neue Mitbewohner Jan ist stark traumatisiert. Er hat seinen Vater getötet. Sein ganzes Verhalten zeugt vom Schrecken der Tat.
Figuren:
Die beiden Handlungsstränge, sofern man sie so nennen kann, spiegeln zwei unterschiedliche Wirklichkeiten, die die Welt der Jungen erklärt und verständlich macht. Die verstörten Kinder sind ebenso, wie die Betreuer für mein Verständnis gut dargestellt und stimmig. Ich kann mir gut vorstellen (ohne es wirklich zu wissen), dass die Dynamik in einem Heim in der Realität auch so sein kann.
Sprache/Duktus:
Ich empfand die Sprache als passend, nachdem ich den 'Eier'-Schreck gleich im zweiten Absatz überwunden hatte. Das traf mich tatsächlich extrem unvorbereitet - band sich aber dann gut in die Denkweise des Jungen ein. Für die Geschichte in der Geschichte fand Florian Tietgen einen anderen Ton, der m.E. nach gut zu der Erzählweise eines 14-jährigen passt. Die Wahl der Perspektive scheint mir gelungen und die Entscheidung das Buch im Präsens zu schreiben, ist genau richtig. In der Regel empfinde ich die Dichte einer solchen Erzählweise als zu fordernd - oftmals, als gewollt nah am Leser - hier empfinde ich das überhaupt nicht. Es nimmt mich mit, in das Innenleben der Protagonisten, ohne, dass ich das Gefühl hätte, das es sich um eine künstliche Nähe handelt.
Struktur:
Linear erzählt, trotz der Erzählstränge. Klingt unlogisch? Finde ich nicht. Da die tatsächlichen Geschehnisse immer die Wirklichkeit von Uwes Geschichten beeinflussen, baut das eine auf das andere auf. Geschickt gemacht.
Zusammenfassend:
Mich spricht sowohl der Stoff, als auch die Schreibweise an. Die Geschichte berührt mich, die Psyche dieser Kinder, die der Autor da im Heim versammelt hat, da Leid, das sie tragen und wie sie es tragen, imponiert mir beinahe. Insofern, die Figuren stiegen für mich aus dem Buch und wurden Wirklichkeit. Mehr kann ich als Leser nicht verlangen.
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Die Helden sind nicht stimmig
von K Illing am 09.01.2011
Handlung:
Zwei traumatisierte Jugendliche, Uwe und Jan, werden in einem Heim Zimmergenossen. Beide sind ausgestattet mit einem besonderen Talent, Uwe schreibt, Jan zeichnet. Die beiden Jungs freunden sich an.
Zusammenfassend:
Der Text ist sehr schön zu lesen. Hier versteht jemand sein Handwerk. Und zwar perfekt. Natürlich gibt hier und da ein paar Flüchtigkeitsfehler, aber nichts, was den Lesefluss aufdringlich gestört hätte. Ich habe ein anderes Problem: Mir erscheinen die beiden Protagonisten nicht ganz stimmig. Uwe, obwohl selber traumatisiert, verhält sich Jan gegenüber, zum Teil wie ein Therapeut. Jan, der seinen Vater getötet hat, wiederum kommt mir zu kindlich vor. An einer Stelle heißt, er war ein halbes Jahr in der Klappse. Das erscheint mir im Zusammenhang mit der Tat eine recht kurze Zeit.
UND der zweite Erzählstrang, die Parallelwelt, in die Uwe sich flüchtet, gleicht mir zu sehr der realen Welt. Ich glaube nicht, dass die Verarbeitung von Traumata so tatsächlich funktioniert. Die Sprache dieses Strangs scheint mir auch nicht dem Alter von Uwe angemessen zu sein. Das ist Erwachsenen-Sprache durch und durch. Und etwas hat mich tatsächlich irgendwann ziemlich genervt: die Helden, die dies und celle und jenes nicht oder eben doch tun. Bei dem Grad der Reife, die Uwe als 14-Jähriger besitzt, hätte ihm schon viel eher ein Licht aufgehen müssen. Die Entzauberung des Helden in der Parallelwelt als Fazit der Geschichte hat mich dann nicht überzeugt.
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Holding out for a Hero
von Oliver Fehn am 09.01.2011
Handlung:
Der sensible Uwe (14) bekommt im Heim einen neuen Zimmergenossen - den dicken, unreinlichen Jan (13), und beide hatten sie Vaterprobleme, die sie beide auf unterschiedliche Weise gelöst (oder auch nicht gelöst) haben. Die zwei Jungs werden auf langsamem, organischem Weg zu Freunden, wobei das tägliche Geschehen im Heim die REALITÄT aufzeigt, während Uwes Geschichten und Jans Zeichnungen die WIRKLICHKEIT widerspiegeln.
Figuren:
Fast alle wichtigen Figuren agieren auf zwei Ebenen: In Uwes (Minks) Leben und den Fantasy-Geschichten, die er schreibt. Diese Verknüpfung von wahren Personen und ihren fiktiven Über- oder Unterzeichnungen fand ich eine gute Idee.
Sprache/Duktus:
Viele Autoren meinen, man könne beim Leser Gefühle erwecken, indem man sprachlich besonders dick aufträgt. Was dabei herauskommt, ist in der Regel ein kalorienreiches, aber unappetitliches Textmonster. Florian Tietgen weiß, wie es richtig geht: Je mehr erschlagende Vokabeln man meidet, umso mehr tut sich beim Leser. Es war für mich ein Genuss, diesen Text zu lesen, der so gut wie kein überflüssiges Wort enthält, sondern wirklich weiß, dass man da aufhören muss, wo die Fantasie des Lesers sich zu regen beginnt.
Und solche unaufdringlichen, aber bildreichen Sätze wie "Wenigstens mit den Augen strich er mir durchs Haar." gefallen mir einfach.
Struktur:
Wie gesagt, zwei Erzählstränge (die eigentliche Geschichte sowie die Geschichte, die Uwe innerhalb der Geschichte schreibt), die aber immer mehr verschmelzen und immer mehr über die Protagonisten verraten.
Zusammenfassend:
Mit Abstand einer der besten Texte, die ich hier gelesen habe, auch wenn in der ersten Hälfte mit dem, was Helden alles sind, dürfen oder tun, etwas zu verschwenderisch umgegangen wird, was den Protagonisten teilweise überzogen naiv erscheinen lässt. Und da ich auf phantastische Geschichten aus grauer Vorzeit nicht so stehe, war ich auch immer froh, wenn aus Minkigrand wieder Mink wurde und ich in die Gegenwart zurückkehren durfte. Ansonsten: Respekt vor diesem Text. Der Autor überrascht immer wieder aufs Neue, umschifft so gut wie jedes Erzähl-Klischee, und versteht es auch, an den passenden Stellen wunderbar rührend zu sein. Und ein guter Text - so jedenfalls meine Überzeugung - steht und fällt mit den Gefühlen, die er beim Leser hervorruft.
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Pipifax
von Malu am 08.01.2011
Handlung:
Bei dieser Erzählung gibt es zwei Handlungsstränge, die aber immer mehr zusammenlaufen: Zum einen das reale Erleben Jans im Heim, wo er einen jungen Vatermörder kennen lernt und mit ihm zusammen lebt, zum anderen eine Art Traumwelt, die Welt seiner nieder geschriebenen Geschichten.
Figuren:
Ich fand die Figuren recht gelungen eingeführt, anfangs vielleicht wirklich etwas zu geballt, aber irgendwie auch der Situation angepasst: In einem Heim leben nun einmal mehr als zwei Leute. Die Hauptfigur ist Uwe, der bereits in dem Heim lebt und sich mit seinen Geschichten Verletzungen von der Seele schreibt. Dann quartiert man einen anderen Jungen, klein, fett, in seinem Zimmer ein. Jan hat seinen Vater ermordet, und wird von nun an eine große Rolle in Uwes Geschichten spielen.
Den Helden im zweiten Handlungsstrang, einer von Uwe niedergeschriebenen Geschichte, nennt Uwe Minkigrand. Weitere Figuren sind die Parallelfigur zu Jan, der mächtige Scherge Clatus, der böse Jocrensis etc.
Sprache/Duktus:
Habe ich nicht viel auszusetzen. Diese Geschichte lässt sich einwandfrei in einem Rutsch lesen. Anfangs hatte ich Probleme, die Sache mit 'Helden tun dies oder das' auf die Reihe zu bringen. Irgendwie erschienen mir diese Feststellungen teils widersprüchlich, aber vielleicht habe ich auch etwas überlesen.
Struktur:
Es gibt zwei parallele Handlungsstränge, den einen mit Ich-Erzähler im Präsens, den anderen in der Vergangenheit, die sich in fortlaufende Kapitel einteilen.
Zusammenfassend:
Schon den Einstieg der Erzählung fand ich sehr gelungen. Es gibt eine kurze Beschreibung, wie Uwe Jan heute sieht, dann ist man sofort mitten in der Geschichte. Der Ich-Erzähler Uwe, auch Mink oder Minki genannt, hat so seine Geheimnisse, etwa die Geschichten, die er in seinen Heften niederschreibt. Er lebt allein in einem Zimmer im Heim. Dann kommt Jan dazu, ein kleiner, fetter Junge, der mit dreizehn Jahren noch seinen Plüschhasen liebt- und der seinen Vater getötet hat. Das halte ich nicht für einen Widerspruch, aber ich glaube, der Junge hat noch massive psychiatrische Behandlung nötig. Nicht nur sein eigenes, auch Jans Leben inspirieren Uwe zu einer Fantasy-Geschichte. Die Figuren in 'Kleine Helden' werden behutsam in das Geschehen eingeführt, so dass noch genug Raum für Leserprojektionen bleibt.
Hier und dort gab es kleine Ungereimtheiten. Es wird z.B. erzählt, dass Uwe bald mit Jan ein Zimmer teilen wird. Und kurz danach kommt noch einmal der Dialog: "Uwe, das ist Jan. Er wird ab heute das Zimmer mit dir teilen". Einmal zuviel des Guten. Pipifax, aber als Erbsenzähler wollte ich das mal kurz erwähnt haben...
Ob die Erzählung sich für Dreizehnjährige eignet? Ich glaube, dahingehend muss ganz diffizil noch einmal überarbeitet werden. Dreizehnjährige wollen eher von Älteren lesen, von Vorbildern. Wenn dann aber ein Fünfzehnjähriger im Buch von Sozialwichser spricht, kann vielleicht der Leser nicht so viel damit anfangen. Ähnliches wurde aber schon mehrfach besprochen, und der Autor der Geschichte wird sich bestimmt mit dieser Problematik noch einmal auseinander setzen. Alles in allem hat mir das Lesen Spaß gemacht, die Idee ist interessant, und ich würde das Buch meinem Kind kaufen.
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sehr solides Handwerk
von Sylvia Dölger am 05.01.2011
Handlung:
Die Handlung dieses kurzen Romans (ich gehe davon aus, dass der hier eingestellte Text vollständig ist) erinnert mich an eine Kurzgeschichte. Insgesamt geschieht in der realen Welt nämlich sehr wenig. Uwe lernt den Vatermörder Jan näher kennen. Das Ganze geschieht in einem Kinderheim für Jungs (vermute ich).
Dann gibt es eine zweite Handlung, die in der Fantasie von Uwe spielt; diese äußert er in seinen Geschichten.
Die beiden Handlungsstränge verwachsen miteinander, was sehr gelungen ist.
Mit Blick auf die Zielgruppe sehe ich aus Erfahrung ihr Interesse mehr an der spannenden Fantasy-Story!
Ich schließ mich einer Vorrezensentin an, die die Gewaltszene als zu heftig für die Zielgruppe ansieht. Evtl. könnte diese Szene etwas subtiler gestaltet werden.
Figuren:
Am Anfang sind es mir viel zu viele Namen und ich sehe mich schon in der Diskussion mit einer Schulklasse bei der Analyse, wer wer ist. Da geben die Jugendlichen, die eh nicht so gern lesen, gerne auf. Hier würde ich auf jeden Fall vor allem auf den ersten Seiten für Klarheit schaffen. Du könntest die Funktionen in einer Jugendsprache ergänzen statt nur die Vornamen zu nennen.
Dann gibt es Uwe, der eine trauriger, misshandelter Einzelgänger ist. Jan kommt ins Heim und ausgerechnet in Uwes Zimmer. Jan ist ein Held für Uwe, weil Jan seinen Vater erstochen hat.
Beide Firguren sind gut ausgearbeitet. Für meinen Geschmack sind sie aber etwas zu überzogen in ihrem Verhalten. Jan ist durch das Hasen-Verhalten zu kindlich, Uwe etwas zu intelligent bzw. erwachsen dargestellt.
Alle weiteren Personen dienen als Statisten. Besonders gefällt mir die Vater-Figur Christian und die ominöse Therapeutin Gabi.
Sprache/Duktus:
In der Sprache des Autors sehe ich auf der einen Seite einen großen Pluspunkt. Der Autor beherrscht sein Handwerk, spielt mit den Worten, setzt sie gezielt ein, um Stimmungen zu erzeugen. Die Idee mit dem Helden gefällt mir gut, könnte aber etwas reduziert werden, da die vielen Wiederholungen irgendwann etwas nerven. Der Leser kapiert es dann auch so.
Auf der anderen Seite ist da die Sprache in der Fantasy-Geschichte, die wunderbar und auch spannend gestaltet ist. Hier aber sehe ich einen Logik-Fehler. Ich würde gerne einen vierzehnjährigen Jungen (mit der Vergangenheit usw.) sehen, der so schreiben kann. Vielleicht ist dies für einen Verlag ja nicht wichtig, aber mich hat der perfekte Ausdruck des Jungen gestört. Hier sehe ich Überarbeitungsbedarf.
Struktur:
Wie im Klappentext beschrieben beziehen sich die zwei Handlungsstränge aufeinander. Inhaltlich sehr gut gelöst.
Der Spannungbogen ist m.E, nur in der aufgeschriebenen Geschichte vorhanden.
Zusammenfassend:
Dieses Buch habe ich entgegen meiner Gewohnheit hier zu Ende gelesen. Die traurige Melodie des Textes hat mich gefesselt. Da dieses Buch aber für Jugendliche geschrieben wurde, wünschte ich mir mehr etwas Spannung in der realen Handlung.
Für das saubere Handwerk, die innovative Idee und liebevolle Umsetzung und das geniale Ende vergebe ich gerne vier Sterne und eine Empfehlung!
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Sorry, das wird jetzt lang …
von Kratzfeder am 04.01.2011
Handlung:
Der 14jährige Uwe (Mink), ein zutiefst verletzter und missbrauchter Junge, der im Heim lebt, verarbeitet seine traumatische Vergangenheit dadurch, dass er phantastische Heldengeschichten schreibt. Als dann ein – für ihn sehr realistischer – Held, der 13jährige Jan in sein Zimmer einquartiert wird, muss er sich nach und nach der Frage stellen, was ein Held wirklich ausmacht. Jan, ein ebenso verstörter Junge hat seinen Vater getötet und leidet ebenso wie Uwe unter seiner Vergangenheit und unter seiner Tat.
Während Uwe sich seine Verletzungen von der Seele schreibt, hat Jan für sich ein Ventil durch das Zeichnen und in seinem Kuscheltier gefunden. Beide, Uwe wie Jan sind Außenseiter, sowohl durch ihre Vergangenheit, ihre Besonderheit und auch durch die Tatsache, dass sie die einzigen im Heim sind, die das Gymnasium besuchen.
Figuren:
Der traumatisierte Uwe mit seinen 14Jahren erschien mir teilweise zu kindlich in seinen Emotionen und auf der anderen Seite viel zu reif und zu "lebensklug". Wer schon mit Kinder mit solchem Hintergrund gearbeitet hat (und ich gehe davon aus, dass der Autor diese Erfahrungen hat!) weiß, wie schwierig die emotionale Situation von missbrauchten Kindern ist. Von daher konnte mich der Charakter nicht wirklich überzeugen.
Noch größere Probleme hatte ich allerdings mit Jan. Ein 13-jähriger, der so ge- und verstört ist, wie der Autor ihn darstellt (Aktionen mit dem Kuscheltier) und nach der geschilderten Tat, wird meines Erachtens nicht schon nach einem halben Jahr aus der Kinderpsychiatrie in ein Kinderheim verlegt. Gefallen (weil sehr überzeugend und realistisch dargestellt) hat mir der Heimalltag, die Interaktion zwischen Erzieher und Jugendlichen. Hier hätte ich mir (vor allem am Anfang) nur etwas weniger Charaktere gewünscht, ich hatte wirklich Probleme mit all den Namen, vor allem, weil sie dann später eigentlich keine Rolle mehr spielen (Heimleiter ...) Andy und Christian als wichtige Bezugspersonen hätten da vermutlich gereicht.
Sprache/Duktus:
Die Sprache ist durchgängig sehr intensiv und angenehm zu lesen. Es gab noch einige Unsauberkeiten und auch grammatikalische "Vertuer", aber da ich in diesem Falle (auf Grund der Länge des Textes / das erste Mal für mich) einfach mal konzentriert durchgelesen habe (ohne Notizen zu machen) möchte ich diesen Part gerne vernachlässigen. Von daher schreibe ich diese Rezension auch völlig aus dem Gedächtnis und möchte mich entschuldigen, falls ich doch mal einen Namen nicht ganz sauber erinnere etc.
Aufgefallen ist mir bei der Sprache von Uwe, dass er teilweise doch ungewöhnliche Wörter für einen 14-jährigen benutzt. Auch die Sprache in seinen Fantasiegeschichten wäre meines Erachtens etwas zu "reduzieren"
Struktur:
Der Autor erzählt die Geschichte von Uwe und Jan in zwei Handlungsebenen. Zum einen der sehr realistische Heimalltag, die Annäherung, beginnende Freundschaft dieser beiden so verletzten Jungen. Hier war es für mich – wie schon erwähnt – etwas unglaubwürdig, wie sozial verständig und sensibel Uwe oft reagiert. Für einen 14jährigen in seiner Situation m.E. nicht immer schlüssig. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass der Autor versucht, Uwes Charakter (seiner Verletzung) auch durch diese soziale Überangepasstheit zu verdeutlichen. Das käme für mich der Sache näher, müsste dann aber mehr in diese Richtung ausgearbeitet werden.
Mit Jan wurde ich nicht wirklich warm. Das Verhalten des dicken Jungen, der sich nicht waschen kann/will … absolut da core. Wunderbar rübergebracht, völlig glaubwürdig. Der Junge mit dem Stoffhasen, den konnte ich (noch) nicht greifen. Vielleicht ist das einfach zu überzogen. Vielleicht wäre es glaubwürdiger, wenn er es nur heimlich tut, in scheinbar unbeobachteten Momenten, Nachts? +++
Und nun der für mich heikle Teil dieser Geschichte. Uwes Parallelwelt, in der er seine eigene Geschichte erzählt. Ganz ganz schwierig, wie ich finde. Ich als erwachsener Leser kann diesen Teil problemlos nachvollziehen. Aber die Frage die sich mir beim Lesen ganz heftig gestellt hat ist die nach der Zielgruppe, die der Autor anstrebt. Die beiden Missbrauchsszenen in der Minkigrand-Welt sind so hart und brutal, dass ich als Erwachsener beim Lesen schlucken musste. Für 13jährige meines Erachtens wirklich nicht geeignet. Oder muss ich einem Kind, das gerade an der Schwelle zum Begreifen und Erahnen von Sexualität steht, eine anale Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von gleichaltrigen Jungens zumuten? Ich denke, da mutet der Autor seinen angestrebten Lesern einfach zu viel zu und das ist für mich leider ein eindeutiger Negativpunkt.
Zusammenfassend:
Das ist jetzt vermutlich ein ganzer Roman hier geworden. Ich hoffe, dass ich ein klein wenig ausdrücken konnte, was mich beim Lesen umgetrieben hat. Hier noch der Versuch, es etwas verknappt zu formulieren: +++ ein JA zu der Idee, eine Geschichte über Verletzungen und Leid in zwei Strängen zu erzählen, und auch ein JA für den Versuch, die "Helden" dieser Geschichte ihre Verletzungen auch im echten Leben ein wenig sortiert bekommen zu haben (wobei ich stark zweifle, dass das so funktioniert!)
Ein weiteres JA für die sprachliche Umsetzung (auch wenn ich als Korinthenkacker durchaus noch eine Menge anzustreichen hätte) … noch ein JA für die teils sehr schönen Interaktionen zwischen Erzieher und Uwe.
Ein NEIN für mich ein wenig die inhaltliche Umsetzung der Minkigrand_Welt. Die war mir zu stark 1:1 in der Abbildung seiner Realität. Von den Namen angefangen, bis hin zur Thematik. Da hätte ich mir ein wenig mehr Freud'sche Raffinesse gewünscht. ein wenig subtiler. Auch gab es hier zu viele Längen. Minkisgrand will schließlich was erleben (und sicher nicht das Elend der Realität) sondern Abenteuer!
Und nochmal kurz das letzte – schon erwähnte NEIN – für mich persönlich ein absolutes nogo, Kinder im angestrebten Lesealter mit solchen Details zu belasten.
*schweißabwisch* … so und weil ich aber dennoch glaube, dass der Autor was zu erzählen hat und weil ich glaube, dass das ein gutes Buch werden kann, zwar "nur" drei Sterne aber ein Fliegerchen, auch für den Mut.
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Anspruchsvolle Jugendliteratur - auch für Erwachsene lesenswert
von Nordlicht am 01.01.2011
Handlung:
Die zwei Erzählstränge sind intelligent miteinander verknüpft. Besonders angesprochen hat mich der "reale" Teil mit Uwe und Jan. Das Ende kommt überraschend plötzlich - auch hier, wie schon bei "So voller Saft und Kraft?" besticht die Erzählung dadurch, dass eigentlich nur ein kleiner (zeitlicher) Ausschnitt aus dem Leben Uwes erzählt wird. Keine lange umfängliche Entwicklung der Persönlichkeit des Protagonisten, auf 200 oder mehr Romanseiten ausgebreitet, sondern ein sehr intensiver Blick auf wenige, aber entscheidende Tage im Leben des Protagonisten. Die Vergangenheit Uwes und Jans werden nicht in dezidierten Rückblenden, sondern "nebenbei" offenbar, Stück für Stück. Der Clou: Die Erzählung endet mit dem fiktiven Erzählstrang, dem Leser wird klar, dass Uwes Wahrnehmung von "Helden" sich geändert hat und dass er eine neue innere Einstellung zu seinem Vater gefunden hat (Mann, ist das schwierig, das, was ich ausdrücken will und was in dem Text so wunderbar zwischen den Zeilen deutlich wird, in angemessene Worte zu fassen!), ohne dass es eben ausdrücklich im realen Erzählstrang gesagt wird. Ich als Leserin blieb ob des plötzlichen Endes nachdenklich zurück - und muss wieder sagen: Ja, genau hier muss die Geschichte enden.
Figuren:
Die Protagonisten sind wieder sehr überzeugend dargestellt. Ihre Hintergründe, ihre Vergangenheit, ihre Motive entfalten sich dem Leser nach und nach.
Die wenigen weiteren Figuren sind auf ihre entsprechenden Funktionen innerhalb der Story beschränkt, füllen diese aber stimmig und ebenfalls überzeugend aus.
Sprache/Duktus:
Mir sind bis auf einen Tippfehler (ich war so sehr vom Text gefesselt, dass ich vergessen habe, mir die Seite zu notieren) keine sprachlichen Fehler oder Ungereimtheiten aufgefallen. Die häufigen Fragen und Sätze der Art "Machen Helden dies und das? Sind Helden so und so? Helden tun dies und das nicht." haben mich sehr angesprochen. Eine tolle Idee, Jan und Uwe gleichzeitig zu charakterisieren, sowie Handlungen und Aktionen nicht einfach zu schildern, sondern eben durch Uwes Wahrnehmung gefiltert zu beschreiben.
Struktur:
Wie ich schon unter Punkt "Handlung" ausgeführt habe, macht die Struktur des Romans mit den zwei Erzählebenen den besonderen Reiz der Geschichte aus.
Zusammenfassend:
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich meines Erachtens um ein besonders gelungenens Beispiel anspruchsvoller Jugendliteratur, das (nicht zuletzt wegen der besonderen Struktur der Erzählung) auch für Erwachsene lesenswert ist.
Der Text ist außerordentlich ausgereift und ich halte ihn - da kann ich mich Natasa Pejcinovic nur anschließen - für so gut wie druckreif. Ich empfehle das Werk daher für den Wettbewerb.
Ich bin schon gespannt auf die dritte Erzählung, die zu dem Band "Kleine Helden" gehören soll. Wird sie auch hier auf neobooks zu lesen sein?
Herzliche Neujahrsgrüße,
Nordlicht
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Gelungen!
von fraun am 24.12.2010
Handlung:
Der 14-jährige Uwe (Spitzname Mink) lebt in einem Heim und hat das Glück eines Einzelzimmers. Eines Tages kommt ein neuer Bewohner, Jan, 13 Jahre alt und dick. Jan wird zu Uwe ins Zimmer gesteckt, der nach außen zwar den Groben spielt, innerlich aber froh über die neue Gesellschaft ist. +++
Uwe schreibt Geschichten, während die anderen Heimbewohner spielen oder andere Sachen machen. In seinen Geschichten lebt Uwe in einer Phantasiewelt und heißt Minkigrand.
Figuren:
Uwe als Ich-Erzähler und in der 3.Person Erzählperspektive als Minkigrand.
In der Ich-Person sehr verletztend und eigenbrötlerisch wirkend, als Minkigrand verkörpert er das, was er in der Realität gerne wäre. +++
Der dicke Jan, der einen Stoffhasen im Bett hat, der Batzi heißt und von dem er sich liebevoll verabschiedet, wenn er zum Essen geht. Jan kommt ins Heim, weil er seinen Vater umgebracht hat und wird deshalb von Uwe verehrt. +++
Beide Kinder kommen in der Ich-Erzählung als sehr verletzlich rüber, man hat Mitleid mit ihnen, wie sie da im Heim sitzen.
+++ Die Erzieher stehen eher im Hintergrund, bilden wohl die Statisten für die Geschichte im Heim. In der Phantasiegeschichte spielen sie eher eine böse Rolle. Ich denke, die Namensähnlichkeit der Bösewichter (Jocrensis und Clatus) zu dem Heimdirektor (Jochen) und Sozialarbeiter (Claus) ist nicht zufällig, also haben nicht nur Uwe und Jan, sondern auch andere ihren Gegenpart in Uwes Geschichte.
Sprache/Duktus:
Uwe erzählt aus der Ich-Perspektive, Präsens heraus, die Geschichten um Minkigrand werden in der 3. Person, Präteritum erzählt.
+++ Die Ich-Perspektive bringt die Verletztlichkeit von Uwe eindringlich hervor, man dringt fast in sein Inneres und glaubt zu wissen, zu spüren, wie verlassen sich Uwe vorkommt, dass er sich in Phantasiegeschichten flüchtet. +++ Der Wechsel in die 3. Person in das Phantasieland um Minkigrand ist gut, denn dadurch hebt sich diese Erzählung von der bitteren Realität im Heim ab. +++
Sprachlich sind mir keine Patzer aufgefallen.
Struktur:
Die Ich-Perspektive in der Realität und die 3.Person aus Sicht von Minkigrand wechseln sich ab. Was in der Realität passiert, findet ihr Echo in der Phantasiewelt.
Zusammenfassend:
Ein Lob an den Autor Florian Tietgen. Er erzählt sehr liebevoll und sensibel die Geschichte zweier Heimkinder, die es im Leben nicht gut hatten. Der Autor benutzt zwei Erzählperspektiven, um seine Geschichte näher zu bringen. Das ist ihm hervorragend gelungen. Obwohl ich Präsens-Erzählungen überhaupt nicht mag, hat mich der Autor zum Weiterlesen animiert. Durch die Ich-Perspektive im Präsens ist man näher an Uwe dran, es kommt keine Distanz auf. Das ist wichtig und sehr gut umgesetzt vom Autor. Die Wechsel zu Minkigrand verursachen keinen Bruch in der Geschichte, sie lockern im Gegenteil ein bisschen auf.
Ich habe wirklich nur eine Klitzekleinigkeit gleich am Anfang der Geschichte entdeckt, bei der ich zweimal lesen musste. Da waren mir zu viele Vornamen, was ein wenig verwirrt hat. (Claus, Jochen, Christian, Dennis, Thommy). Ich wusste kurzzeitig nicht, wer ist jetzt Claus. Ist das ein Heimkind?
Ansonsten hat mir der Text wirklich sehr gut gefallen.
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Sensibel und eindringlich
von Onyx am 10.12.2010
Handlung:
Uwe und Jan leben beide im Heim und teilen ein ähnliches Schicksal. Während Jan seine Vergangenheit in Zeichnungen zu bewältigen versucht, erfindet Uwe Geschichten, in denen er selbst der Held ist.
Figuren:
Sowohl der dicke Jan, als auch Uwe, der sich in seine Fantasie flüchtet, wirken durch ihre Handlungen und Dialoge sehr lebendig und gut vorstellbar. Des weiteren kommen noch mehrere Erzieher vor, die ich als recht ähnlich empfunden habe. Die Psychologin Gabi tritt nicht aktiv auf, wird jedoch immer wieder erwähnt.
Sprache/Duktus:
Die Sprache dieser Erzählung wirkt sehr ausgereift, es sind keine Sätze oder Ausdrücke dabei, über die man stolpert. Die Dialoge wirken absolut glaubwürdig. Mir sind keinerlei Tipp- oder Rechtschreibfehler aufgefallen.
Struktur:
Zwei Erzählebenen wechseln miteinander ab; die Realität wird immer wieder von Uwes Fantasiewelt abgelöst.
Zusammenfassend:
Es ist ein Text, der mit leisen, aber dennoch eindringlichen Tönen deutlich werden lässt, was in den beiden Jungen vorgeht. Die Passagen, in denen Uwes Fantasiewelt beschrieben wird, haben mich anfangs einige Male aus dem anderen Handlungsstrang herausgerissen. Mit fortschreitender Seitenzahl wurde aber auch die Geschichte um „Minkigrand“ immer interessanter und spannender.
Besonders gefallen hat mir die wunderschöne Sprache, die sich wirklich durchgehend durch das ganze Buch zieht, sowie die gelungene Darstellung der beiden Hauptcharaktere. Dafür gebe ich gerne meine Empfehlung.
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Geht zu Herzen ...
von Kadhira am 23.11.2010
Handlung:
Uwe lebt im Heim. Er bekommt nach längerem Aufenthalt Jan als Zimmergenossen, der seinen Vater erstochen hat. Während Uwe seine Probleme mit der Realität als Held namens Minkingrad in selbsterfundenen Geschichten aufarbeitet, ist Jan teils verschlossen, reagiert aber erstaunlich direkt auf Angriffe, was seine korpulente Figur angeht. Für Uwe ist Jan ein Held, denn, selbst vom alkoholabhängigen Vater misshandelt, hatte er nie den "Mut", seinen Vater zu töten. In kurzen, aber intensiven Gesichten geben die beiden Jungen sich gegenseitig zu erkennen. Uwe bindet Jan in seine Geschichte ein und löst damit einen Streit aus, als er Jan von Minkingrad lesen lässt. Jan erklärt, warum seine Tat ihn kein Held sein lässt, das Schuldbewusstsein, die Konsequenz, mit der allein er leben muss ...
Uwe gibt seiner Geschichte eine Kehrtwende und macht den Tod des Vaters - wenigstens im Roman - ungeschehen.
Figuren:
Uwe ist der Protagonist, den man mal als Figur in der Realität wahrnimmt, mal als erzählte Figur Minkingrad. Über Jan wird gerade die Körpermasse betont, weil genau diese ihm immer wieder Schwierigkeiten macht (er wird gehänselt, etc.) und weil sie Einfluss auf seinen Charakter und seine Tat hat.
Christian, ein Erzieher in dem Heim, liest Uwes Geschichten und kümmert sich auf sehr einfühlsame, nette Weise um die Jungs.
Arne ist die Nachtschicht von Christian.
Sprache/Duktus:
Zunächst eine wunderschöne, flüssig zu lesende Erzählsprache aus der Sicht von Uwe, die an Tiefe und altersentsprechender Reife durch erlebtes kaum zu übertreffen ist. Gleichzeitig, im Wechsel der Kapitel, wird die von Uwe erdachte Geschichte von dem Superhelden Minkingrad erzählt, die Uwes und Jans Realitätsprobleme als Romanfigur verarbeitet.
Struktur:
Klarer Wechsel zwischen Jan / Uwe und Minkingrad / Janko. Die Geschichten laufen parallel und erwachsen auseinander. Wunderbar gemacht, man hat absolut keine Probleme, zwischen diesen beiden Geschichten umzuschalten.
Zusammenfassend:
Ein Meisterstück, das unbedingt lesenswert ist. Geht zu Herzen und regt dazu an, die eigenen Erziehungsmethoden genau zu durchleuchten, ob sie wirklich kindgerecht und angemessen sind.
Hut ab und Respekt!
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Druckreif, meiner Meinung nach.
von NatasaPejcinovic am 23.11.2010
Zusammenfassend:
Das ist der beste Text, den ich bislang hier entdecken durfte. Der Schreibstil lässt das Kopfkino direkt anspringen, die Geschichte ist traurig, tragisch, komisch und heldenhaft. Ich habe selten über 90 Seiten in etwas über zwei Stunden so gerne und so flüssig gelesen. Hier und da gilt es ein wenig zu bügeln, aber die Idee, die Umsetzung, die Art und Weise ... beinahe druckreif, meiner Meinung nach. Gerne fünf Sterne und eine dringende Empfehlung, denn genau SOLCHE Texte sollte ein Lektor in den Händen halten. Das würde ihm auf jeden Fall ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern.
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Wirklich nicht schlecht
von softking am 23.11.2010
Handlung:
Uwe (14) freut sich auf den neuen Heimbewohner Jan (13). Der ist für ihn ein Held, da er seinen Vater erstochen hat. In einer Fantasygeschichte über den Clan der Grands und den bösen Jocrensis erzählt er beider Jungen Realität.
"Kleine Helden" ist eine Erzählung, die zwei Ebenen im Reißverschlussprinzip mit einander verknüpft.
Figuren:
Nicht allzu viele Protagonisten, was dem Ganzen aber letzten Endes keinesfalls schadet, sondern das Buch damit eher überschaubar macht. Die Art der Erzählweise läßt jede der Figuren lebendig wirken.
Sprache/Duktus:
Einfach gut! Die Sprache ist einfach so herrlich klug und trotzdem angenehm zu lesen.
Zusammenfassend:
Absolut lesenswert. Kann man nur empfehlen. Eine spannende und kluge Geschichte.
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Feinsinnig gesponnen
von MWünsche am 14.10.2010
Zusammenfassend:
Sehr einfühlsam geschrieben, mit sehr viel Gespür für Befindlichkeiten und Atmosphäre. In diesem Text werden auch heikle Themen angesprochen, ohne dass sich der Autor dabei in Attitüden verliert.
Nach meiner Einschätzung gut geeignet für Leser ab 13.
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Spannend, einfühlsam, aufrüttelnd
von Manuela am 24.08.2010
Handlung:
Zwei missbrauchte Buben, Jan und Uwe, lernen einander in einem Erziehungsheim kennen, sie werden Zimmergenossen. Weil Jan seinen Vater erstochen hat, wird er von Uwe als Held verehrt, der seinen Vater ebenfalls hasst. Obgleich Jan äußerlich alles andere als heldenhaft erscheint, er ist fett, weinerlich, und schläft mit einem Plüschtier.
Uwe versucht, im Gegensatz zu Jan, der zum Mörder wurde, sein tragisches Schicksal in einer märchenhaften Geschichte zu verarbeiten, in der er ein unbesiegbarer Held ist, der über Zauberkräfte verfügt. Während sich die beiden Buben emotional näherkommen, schreibt Uwe an seiner Geschichte weiter, die sich immer mehr der Realität seines Freundes annähert. Als Uwe in seiner Geschichte vor der Entscheidung steht, ebenfalls seinen Vater zu ermorden, wird er von Jan daran gehindert und erkennt die Sinnlosigkeit einer solchen Tat.
Figuren:
Die zentralen Figuren, Jan und Uwe, sind schön gezeichnet, der Autor blickt tief in die Seelen der Knaben, gibt dem Leser die Möglichkeit, gut mitzufühlen. Trotz der Ich-Perspektive Uwes, erhält auch Jan ein stimmiges Innen-Profil, gut dargebracht über Dialog, Reflexionen der anderen Heimkinder und ihrer Erzieher.
Sprache/Duktus:
Die Sprache ist weitgehend sauber und flüssig, stilistisch gibt es aus meiner Sicht keine Mängel, auch könnte ich mir gut vorstellen, dass dieser Text der empfohlenen Altersgruppe entspricht.
Peanuts: Stellenweise fielen mir einige unnötige Wortwiederholungen auf. Das Stilmittel des "klackenden" Weckers erschien mir zu häufig angebracht, da wäre weniger wohl mehr gewesen. Das eine oder andere Satzkonstrukt könnte direkter formuliert sein, aber insgesamt nichts, das ein behutsames Korrektorat nicht korrigieren könnte.
Struktur:
Die Handlung verläuft zweizöpfig, wechselt zwischen Realität (Ich-Form/Präsens) und Fantasy-Geschichte (personaler Perspektive/Präteritum).
Zusammenfassend:
Eine spannende, interessante Studie zweier schwer vernachlässigter Kinder, die auf unterschiedliche Art versuchen, ihr persönliches Drama (Vaterhass) zu verarbeiten und darüber Freunde werden. Schöne Sprache, schöner Stil, einfühlsam und mitreißend geschrieben, mit einem offenem, (versöhnlichen?) Ende.
Kommentar von astamic am 14.01.2011
Wieso beschämt sie dich? Das wollte ich damit aber nicht erreichen... :-( Ich habe nur meine Meinung geschrieben. :-) Für mich ist deine Geschichte absolut gelungen und sie verdient es den Weg zwischen zwei Buchdeckeln zu finden....
Kommentar von Florian Tietgen am 14.01.2011
Hallo astamic, deine Rezension beschämt mich. Vielen vielen Dank und liebe Grüße, Florian