Kontakt zu Buchbloggern – Erfahrungen von Autorin Swantje Niemann


Blogger anschreiben lohnt sich

Mein Roman „Drúdir – Dampf und Magie“, den ich vorher über neobooks veröffentlicht hatte, erscheint im Oktober bei einem Verlag („Edition Roter Drache“). Ich erwähne das hier, weil mein Buch diesen Weg unter anderem den Bloggern verdankt, die es gelesen und rezensiert haben.

Die meisten dieser Rezensenten mochten den Roman und konnten dank ihrer Reichweite ein paar Leser überzeugen, es auch damit zu versuchen. So gut wie immer war die Veröffentlichung einer Rezension von einem kleinen, aber bemerkbaren Anstieg in den Verkaufszahlen gefolgt. Und schließlich haben die positiven Rezensionen die Entscheidung des Verlags, ob er das Buch annehmen soll, zu meinen Gunsten beeinflusst. Ich kann also nur bestätigen, dass es sich lohnt, sich um Rezensionen auf Buchblogs zu bemühen.

Was genau Blogger für ein Buch tun können und wie man sie findet, könnt ihr in anderen Beiträgen in der Autorenwerkstatt nachlesen. Ich gehe in meinem Artikel darauf ein, nach welchen Kriterien ich Blogger ausgesucht habe und wie es mir gelungen ist, deren Interesse zu wecken.

 


Nehmt euch die Zeit, euch die Blogs anzusehen

Durch Google-Suchen, Links und Blogrolls und neuerdings auch Like-Runden in Facebook-Gruppen wie „Zeilenspringer“ habe ich die Webadressen von Dutzenden von Buchblogs gesammelt. Der nächste Schritt bestand darin, vorzusortieren: Lesen die betreffenden Blogger überhaupt e-Books? Rezensieren sie High-Fantasy-Romane? Viele Blogger haben eine Seite mit Informationen für Verlage und Autoren, auf der sie schreiben, welche Bücher und Formate sie haben wollen und wie man mit ihnen Kontakt aufnehmen kann.

Die übrig gebliebenen Blogs habe ich mir genauer angesehen, um herauszufinden, welche Fantasy-Subgenres die Blogger bevorzugen und was sie in ihren Rezensionen gelobt oder kritisiert haben. Besonders hilfreich fand ich es, Rezensionen von Büchern zu lesen, die ich ebenfalls kenne. So konnte ich einen Eindruck von Geschmack und Prioritäten des jeweiligen Rezensenten gewinnen. Ich weiß, dass ich dazu neige, mich in relativ komplexen Sätzen auszudrücken. Also habe ich mir die Mühe gespart, Blogger anzuschreiben, aus deren Rezensionen hervorgeht, dass ihnen eine schlichte Sprache wichtig ist. Ein weiterer Punkt war die Qualität der Rezensionen und die Reichweite des Blogs. Blogger, die ihre Rezensionen nicht nur auf ihrer Seite teilen, sondern auch bei Amazon, Lovelybooks und eventuell noch einigen FB-Gruppen posten, erreichen viel mehr Leser.

Das Stöbern in den bereits erschienenen Rezensionen war die Voraussetzung für den nächsten Schritt: Die Kontaktaufnahme.

 


Schreibt persönliche E-Mails

Mir sind bereits einige Blog-Posts oder Videos begegnet, in denen Blogger sich über Mails beschweren, die ungefähr so lauten:
Liebe/r Blogger/in, ich mag deine Inhalte. Willst du mein Buch rezensieren? Hier ist der Amazon-Link.
Und womöglich führte der Link dann auch noch zu einem Buch eines Genres, das den betreffenden Blogger nicht im Geringsten interessiert. Solche e-Mails lassen nur den Schluss zu, dass der Verfasser sich nicht die Mühe gemacht hat, dem angeschriebenen Blog auch nur einen flüchtigen Blick zu widmen. Das ist natürlich verletzend für Buchblogger, die sich mit ihren Rezensionen große Mühe geben und sich Wertschätzung und Aufmerksamkeit für ihre Arbeit wünschen.

Den Blogger mit seinem (richtig geschriebenen) Namen anzusprechen und nicht nur einen Amazon- oder Neobooks-Link zu posten, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Die besten Erfahrungen habe ich mit e-Mails gemacht, aus denen nicht nur hervorging, dass ich mich mit dem Blog beschäftigt hatte, sondern die auch den Bloggern halfen, eine bessere Vorstellung von dem Buch zu gewinnen. Ein Beispiel wäre:
Liebe XY, ich habe deine Rezension zu Buch Z gelesen, und glaube daher, dass mein Roman dir gefallen könnte, weil er dieses und jenes mit Z gemeinsam hat.“
Es war auch für beide Seiten hilfreich, wenn ich in meinen e-Mails Rezensionen von anderen Blogs verlinkt habe.

Manchmal habe ich auch noch einen Kommentar zu einer Rezension des Bloggers angehängt, die mein Interesse geweckt hat. Die Buchblogger teilen – hoffentlich – etwas Wichtiges mit euch: Die Begeisterung fürs Lesen. Das gibt euch schon einmal eine Grundlage, um eine freundliche, ansprechende Mail zu schreiben. Diese solltet ihr dann übrigens noch mal überfliegen, bevor ihr sie abschickt. Eine Mail voller Fehler und irritierender Formulierungen wird beim Adressaten nicht unbedingt das Bedürfnis wecken, ein ganzes Buch des Absenders zu lesen.  

Ein weiterer Punkt: Seid ehrlich, wenn ihr euer Buch beschreibt. Ihr wollt nicht, dass ein Blogger beim Lesen feststellt, dass es nicht seinen Erwartungen entspricht, sich aber durchquält, weil er sich verpflichtet fühlt. Im schlimmsten Falle macht er seiner Frustration in einer negativen Rezension Luft. Ich habe schon eine Bloggerin dazu ermutigt, mein Buch abzubrechen: Sie hatte das Rezensionsexemplar angenommen, weil sie einmal einen „Steam Fantasy“-Roman ausprobieren wollte. Dabei hat sie herausgefunden, dass das Genre nichts für sie ist.

Wenn ihr jedoch die richtigen Blogger für euer Buch findet, geht deren Unterstützung womöglich noch über das einmalige Veröffentlichen und Teilen einer positiven Rezension hinaus. Zum Beispiel haben zwei Bloggerinnen mein Buch noch Monate später in Interviews empfohlen.

 


Mehr Vorteile als nur positive Rezensionen

Sich Blogs näher anzusehen und persönliche Mails zu schreiben, erhöht nicht nur die Chancen, Rezensionsexemplare an die richtigen Blogger zu bringen. Ihr werdet dabei nahezu zwangsläufig gut gemachte Seiten und spannende Buchempfehlungen entdecken und mit Menschen in Kontakt kommen, die ähnliche Interessen haben wie ihr.

 


Swantje Niemann

Swantje Niemann wurde 1996 in Berlin geboren und schreibt neben ihrem Studium der Kulturwissenschaften Fantasy-Romane. Ihr Debüt-Roman „Drúdir – Dampf und Magie“, in dem High Fantasy in der Tradition Tolkiens auf Steampunk trifft, kommt im Oktober 2017 heraus. Wenn sie gerade nicht schreibt, verschlingt sie ein Buch nach dem anderen, trainiert Kendo oder spielt Harfe.
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